----------------------------------------------------------------- >--- b a e r e n t a t z e August 2000 ----------------------------------------------------------------- >--- der wirklichkeitsnahe Brief >--- zur Praxis und Ethik des Marketings in der Neuen Oekonomie Deutsche Bibliothek ISSN 1438-4914 (Archiv) Jahrgang/Ausgabe/Datum 2 / 5 / 10.8.2000 Frequenz max. 10 Ausgaben pro Jahr Preis gratis Herausgeber Dipl.-Ing. Oliver Baer Homepage http://www.baerentatze.de Gleichmaessiges Zeilen-Layout bei nichtproportionaler Type > INHALT ----------------------------------------------------------------- - Kommentar 1 Spenden - Herzblatt des Marketings 2 Ueber das Geld - und wie es nicht motiviert 3 Unsachliches aus meiner Praxis: Marketing als Buehnenkunst 4 Technische Hinweise: Anmeldung, Abmeldung, Impressum 5 Spottolski: - nach dem IPO der Mituh-Dottkomm.AG 6 Links 7 Werbung nervt, ist aber Teil unseres Lebens 8 Gegen den Strich gekaemmt Wer nur Spottolski sucht, findet ihn durch hinunterblaettern, die Tschaeckliste auf > KOMMENTAR ----------------------------------------------------------------- Liebe Freunde der baerentatze, Die baerentatze befasst sich mit Dingen der Wirtschaft, also auch mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern. Sie hatten die Wirtschafts- leistung Deutschlands zu erbringen, waehrend das arbeitende Volk woanders in die Pflicht genommen wurde. Von der Sklavenarbeit haben Alle profitiert, auch die Nachkommen. Statt unsere guten Absichten in sentimentalen Kollektivgesten GEGEN den Fremdenhass und Rassismus zu erschoepfen, lassen Sie uns - ausdruecklich als Einzelne - ein Signal setzen, und zwar FUER eine Aktion, die draengt: 1. Jeder von uns sendet eine Spende an die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"; 2. Wir wuenschen, dass unser Name erscheint auf einer Liste von Millionen Spendern, nachzusehen im Internet und in den Regionalzeitungen. Auf die Gefahr hin, dass sich das unsaegliche Holocaustdenkmal auf diese Weise eruebrigte - dieses Signal hat einen praktischen Wert, naemlich fuer die ueberlebenden Sklaven, darunter die noch nicht bedachten im Osten Europas. Ausserdem klaert es fuer die uebermuetigen Knaben, die sich in einer neobraunen Gesinnung gefallen, dass sie einer Mehrheit aus Individuen gegenueber stehen. Diesmal tun wir etwas. Wir sind gefordert, jeder auf seine Weise, dass wir das Wesen des Rassismus begreifen. Das haben wir, zugunsten frommer Hoffnungen, lange genug versaeumt. Das verbauen wir uns nicht durch die Illu- sion, wir haetten mit Lichterketten unsere Pflicht getan. Fuer diesen Vorschlag brauchen wir eine breitere Basis als die baerentatze. Ich bitte um Ihre Gedanken, wie es weiter geht. Ihr Oliver Baer PS: Wenn ich nicht sofort reagiere - gewaehren Sie mir den kurzen Urlaub. Ich bin notfalls erreichbar: 0172 377 3791 Die Stiftung finden Sie hier: > 1 SPENDEN - HERZBLATT DES MARKETINGS ----------------------------------------------------------------- ---- Was haben Spenden mit dem Marketing zu tun? Abgesehen von ihrer Aufgabe als Feigenblatt fuer fragwuerdiges Handeln, sehr viel. Wenn Sie Ihr Unternehmen als einen Organismus begreifen, der sich in seiner Umwelt einrichtet. Dann naemlich ist Spenden ein Ausdruck der Seele Ihres Hauses. Eine Spendenpolitik "Irgendwas muessen wir ja tun" verraet sich vonselber. Man merkt die Absicht, und ist verstimmt. Zunaechst einmal muessen Sie ueberhaupt nichts muessen. Eine Spende, die nicht vom Herzen kommt, mag materiell dem Empfaenger nuetzen, aber der Geist, in dem sie gegeben wurde, verdirbt die gute Sitte und schadet Ihrem Betriebsklima. In den Himmel kommen Sie damit sowieso nicht. Hoeren Sie auf das soziale und geistige Leben im Hause. Sie finden die Themen, die Ihren Mitarbeitern nahegehen. Seien Sie konsequent. Vereinen Sie Gefuehl, Verstand und Taten- drang: Herr Meisegeier kuemmert sich um die Spenden - und was daraus wird - fuer das Bodenschutzprogramm auf dem verbrannten Samos; Frau Kiesewetter um den Dresdner Synagogenbau. Siehe auch den Abschnitt 6 - Links. Die Angelsachsen sind da pragmatisch: Mit Sponsoring berei- chern sie die Welt kulturell, sozial und wirtschaftlich. Und auch die Seele des Spenders atmet freier, vorausgesetzt er will mehr als sein schlechtes Gewissen glaetten. Sodann berichten Sie ohne Scheu. Begegnen Sie dem Einwand: "Das dient doch bloss Eurem kommerziellen Interesse!" indem Sie sach- lich und engagiert die Wahrheit berichten. Denn - 1. ist Kommerz nicht anstaendig, auch nicht unanstaendig, sondern Kommerz ist. Punkt. 2. leben davon alle, einschliesslich der Dummschwaetzer. 3. wollen Ihre Kunden, Ihre Partner, die Oeffentlichkeit wissen was Sie, ausser Kommerz, noch im Kopf haben. Womit wir zum Marketing zurueckkehren. Der Dialog mit unserem Markt waere aermlich, wenn er nichts als Geschaefte einfaedelte. Ausserdem macht Spenden zwar keinen Spass, aber Freude. Und die nuetzt dem Marketing unmittelbar. (ob) __________________________/ Anzeige /____________________________ "Maerkte sind Gespraeche" Darueber laesst sich in einem Workshop reden ________________________________________________________________ > 2 UEBER DAS GELD - UND WIE ES NICHT MOTIVIERT ----------------------------------------------------------------- ---- Das Internet ist eine revolutionaere Sache, kein Zweifel. Trotz neuer Oekonomie sind wir aber dieselben Menschen geblieben, so huebsch und so haesslich wie zuvor. Seit Maslow und Herzberg ist bekannt, dass uns Geld zur Leistung wenig anspornt. Sicher kommt es darauf an, mit wem man spricht. Beispielsweise der Chef soll es ruhig weiter glauben. Wer moechte schon nicht viel Geld verdienen, und sei es nur um in Gelassenheit ueber seine Verhaeltnisse zu leben? Aber es bleibt ein Schwindel, ein immerhin troestlicher: Nur wenige sind so materialistisch gebaut, dass allein der Mammon ihr Handeln bestimmte. Fuer sie waere eine kriminelle Karriere ohne- hin vorzuziehen. Aber wir schweifen ab. Woher also der Glaube, unsere Mitarbeiter wuerden durch Aktien- optionen zu treuen, fleissigen, kreativen Supermen mutieren? Weil es die Konkurrenz auch tut? Wenn das mal stimmt. Die Mehr- zahl der jungen Unternehmen funktioniert vermutlich nach den Erfahrungen der alten Oekonomie, also konservativ. Ach ja? Und was ist mit den Jungmillionaeren, die in den Pixel- parkhaeusern dieser Welt reich wurden? Nun, wieviele gibt es denn? Zweitens, wo sind sie jetzt? Haben sich selbstaendig gemacht, sind sowieso nicht loyal geblieben? Drittens, haben Sie eine Ahnung wie das Klima stinkt, wenn der Kurs sinkt? Es war noch nie sinnvoll, Mitarbeiter zu Unternehmern zu machen, die es nicht von sich aus werden wollten. Die allerdings gilt es zu halten, mit mehr als Optionen. Wir aber sprachen hier von der Motivation der Mitarbeiter, aller Menschen im Unternehmen. Deren Befindlichkeiten sind nicht so einfach gestrickt. (hh) > 3 UNSACHLICHES AUS MEINER PRAXIS - MARKETING ALS BUEHNENKUNST ----------------------------------------------------------------- ---- Ein Seminarteilnehmer war von dem Gedanken angetan, sein Marketing als Gesamtkunstwerk des Unternehmens zu ent- wickeln, meinte aber: "... dazu fehlt mir der Mut." Marketingkunst wird oft als Konzept oder Idee verstanden. Das ist ungluecklich, denn Marketing als darstellende Kunst zu sehen, ist keine Theorie sondern ein Blickwinkel, aus dem wir den Dialog mit unserem Markt beurteilen. Demnach enthaelt das Marketing nicht nur, was wir im Markt veran- stalten. Auch der Kuenstler auf der Buehne kann noch so erstaun- liche Sachen machenen - er strampelt sich umsonst ab, wenn sein Publikum nicht mitschwingt. Aber sobald sie zusammenwirken, kann aus der Vorstellung eine Sternstunde werden. Der Kuenstler bringt so viel oder wenig zustande wie sein Publikum erlaubt. Und dieses mag noch so wohlwollend sein - sofern es sich nur amuesieren laesst, erlebt es einen Abglanz des Machbaren, also wenig Kunst. Genau so bewahrt das Marketing seinen eiskalten Charme, wenn das Publikum zur Synergie nichts beitraegt. Beobachten Sie es im ei- genen Hause. Allerdings ist der erste Schritt zum Selbstversuch kein trivialer. Denn es genuegt nicht, virtuos mit Tools zu han- tieren. Damit sich die Menschen, die wir als Zielgruppe nur schemenhaft sehen, auch emotional fuer uns oder mit uns engagieren, muessen sie uns als Menschen wahrnehmen koennen. Oft stehen dem gerade die Tools, beispielsweise des Customer Relationship Marketings (CRM), im Wege. Ob Sie dabei an Marketingkunst denken, ist unerheblich. Die Ana- logie ist aber griffig. Mich inspiriert sie, wie der Einzelfall zu bewerkstelligen waere. Ob Marketingkunst ueberhaupt realisierbar ist, wenn sie als Idee daherkommt, ist eine andere Frage. Unter dem Titel "Wie war das mit dem freien Willen?", beginnt ein neues Thema, zur Zeit in . (ob) > 4 TECHNISCHE HINWEISE & IMPRESSUM ----------------------------------------------------------------- >--- Bestellen und Abbestellen mit einer leeren Mail an: zum Bestellen zum Abbestellen >--- Redaktionspolitik: >--- Beitraege von Ihnen: Bitte per Mail an: >--- Ihre Wuensche, Anregungen, Ideen: Bitte per Mail an: >--- Impressum: V.i.S.d.P.: baerentatze wird herausgegeben von Oliver Baer Schleissbergstr. 10; D 01896 Ohorn; Deutschland. Tel.:+49 (35 955) 4 00 99 | ob Oliver Baer | ii Isidor Iltis | hh Hortensia Hummel | Namentlich gezeichnete Beitraege stellen nicht die offizielle Meinung der Redaktion baerentatze dar, sondern die ihrer Autoren. Weder die Redaktion noch Oliver Baer uebernehmen eine Haftung fuer die sachliche Richtigkeit der Beitraege sowie daraus resul- tierende Handlungen. Copyright dieser Ausgabe liegt bei Oliver Baer, das der jeweiligen Beitraege bei ihren Autoren. Eine Ver- vielfaeltigung und/oder Weiterverbreitung der baerentatze ist nur komplett, nicht auszugsweise, und nur mit ausdruecklicher Zustim- mung des Autors zulaessig. Fuer unverlangt eingesandte Manuskrip- te wird keine Haftung uebernommen. > 5 SPOTTOLSKI: - IPO der MITUH-DOTTKOMM.AG ----------------------------------------------------------------- ---- Spottolski hat eine vornehme Art, die Leere seines Napfes zu beklagen. Er weiss, mich ruehren keine aufgerissenen Katzenbabyaugen. Er beschraenkt sich auf die Feststellung: "Leer. Nichts drin." "Nanu", sage ich, "ich denke du bist auf der Roadshow fuer Euern Boersengang?" "Wie gesagt: gaehnende Leere." "Ihr habt wohl keine Investoren fuer Eure Mituh-Dottkom.AG gefunden?" Mein Kater setzt sich und erklaert: "Der Siebenschlaefer hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Inves- titionsaffekt war ueberproportional deprimiert." "Ich verstehe," sage ich. Da muessen Leute nach Ohorn gezogen sein, mit Fremdwoerterlexikon. "Und du bist wieder in Sachen Marktdurchdringung unterwegs," sage ich, seine frisch blessierten Ohren pruefend. "Von irgendwas muss man ja leben. Hier gibt es ja nix." "Wie immer." "Du sagst es, Chef." "Schlappohr-Gesellschaft haette fuer den IPO besser gepasst." "Wer den Schaden hat, spottet deiner Beschreibung." "Ich schlage vor, du machst Urlaub. In der Buschmuehle." "Wieso, schliesst ihr das Buero?" "Notbesetzung. Keine Sorge, Thunfisch ist gebunkert." An seinem selbstzufriedenen Ausdruck ermesse ich, dass mein Kater bereits ganz neue Marketingideen waelzt. "Noch ist Polen nicht verloren," sagt er. Nun kriegt er zu futtern. Und wir melden uns in Baelde. (ii) > 6 LINKS ----------------------------------------------------------------- >--- Die brand eins-Diskussionsliste kocht gemeinsam mit der Redaktion von brand eins. Da in der Liste auch Leser der baerentatze sind: Wir treffen uns ganztaegig am 26.8. in Hamburg, im Restaurant Zeik, welches den Knob- lauch etc. besorgt, den Rest erledigen wir eigenhaendig. Dass auch über Cluetrain und Neue Wirtschaft geredet wird, laesst sich kaum verhindern. Voranmeldung erforderlich, bei Um a jour zu sein, muessen Sie in der Liste nicht mitreden; mitlesen genuegt. Sie melden sich mit einer leeren Mail an: >--- Samos abgebrannt, na und? Hier soll nicht fuer den Massentourismus gespendet werden, sondern auf Samos geht Kulturgut verloren, wenn nicht ganz schnell gehandelt wird. Bis die Olivenhaine wieder Ertrag bringen, wird es Jahre dauern. Laenger als die Foerdermit- tel fuer den unmittelbaren Schaden fliessen. Ein knackiger und kurzer Augenzeugenbericht: Vorsicht, Zeilenumbruch entfernen! Das Wesentliche geschieht jetzt, nach den Waldbraenden. Dem Feuer kann eine oekologische Katastrophe, die Erosion des Erdbodens, folgen, wenn nicht vor den Herbstregen sinnvolle Provisoria geschaffen werden. Das Tempo bringen die Behoerden nicht. Walter Schoendorf berichtet ueber eine Mission von Wissenschaftlern, die er kurzfristig zusammen- trommeln konnte - - worin auch Erfreuliches zu lesen ist. >--- Ergaenzende, bessere Informationen zur Dresdner Synagoge zusammengestellt vom MDR aus Materialien des Fördervereins: Sehens- und lesenswert das Live Cam (vom Hilton-Hotel am Terrassenufer), Chronik, Neubau, Geschichte und Spenden. Uebrigens sind auch Sachleistungen wertvoll, mit denen die Kosten des Aufbaus gesenkt werden. >--- Die andere Seite der Napster/Urheberrechts-Geschichte Ausfuehrlich ist der engagierte Vortrag "Courtney Love does the Math", worin die Saengerin der Musikindustrie den Kopf waescht: Da Salon moeglicherweise bald geschlossen wird, lohnt der baldige Besuch. >--- Urlaubsspass fuer Spoetter der New Economy Unter einem ausgesucht vornehmen Titel hebt der New Yorker Philip Kaplan die boersenhysterischen Teilnehmer der Inter- netwirtschaft auf die Schaufel heben: Wer sich nicht abschrecken laesst, findet ein reizvolles Spiel (ohne Geld, nur zum Bloedeln), bei dem auf die Phasen des Untergangs von Unternehmen gewettet wird. Nebenbei ist diese Initiative zu einem Informationsknoten- punkt fuer schlechte Nachrichten ueber dot.com companies geworden >--- Immer wieder Warnungen im Netz Der Routinier erkennt den HOAX, die gezielte Falschmeldung. Das koennen Sie auch, ueber die TU-Berlin: Bevor Sie unnoetigen, wenn auch nett gemeinten Mailverkehr schaffen, erst mal nachschauen. Im Zweifel fragen Sie Virenspezialisten per Mail TU Berlin bietet sogar einen HOAX-Newsletter an, der Sie auf echte Probleme und die neuesten HOAXes hinweist. >--- Und auf den Websites baer-coach.de und baerentatze.de: Rechtsterror fordert Netzbuerger. Mit der Anerkennung eines Menschen, der wirklich Mut zeigt. Zwischen den Zeilen lesen. Etwas ueber Lattenzaeune und den Umgang mit Zwischenraeumen Wie war das mit dem freien Willen? "Wir tun nicht, was wir wollen. Wir wollen, was wir tun." Der Geldkarten-Flop. Die Grossbanken zeigen immer wieder, wie wenig ihr Geschaft mit dem Menschen zu tun hat. Und die Tschaeckliste neuerdings nur noch unter: (ii) > 7 WERBUNG NERVT, IST ABER TEIL UNSERES LEBENS ----------------------------------------------------------------- >--- Im Kommunikationsbarometer* von HORIZONT und Emnid lesen wir unter anderem: Zur Werbung gefragt, aeussern sich zwei Drit- tel kritisch, ein Drittel positiv. Wiederum 2/3 der Kriti- schen sagen spontan, dass sie "die Werbung nervt". Daraus sind zweierlei Schluesse moeglich. Den einen ziehen die Werbeleiter, den anderen denken wir mal probehalber zu Ende. Man kann sich wie bisher darauf zurueckziehen, dass Werbung nun mal zu unserem modernen Leben gehoere. Immerhin 80% der Menschen akzeptieren das, wenn auch freudlos. Also weitermachen! Oder wir deuten die Korrelation weniger optimistisch als die Wer- ber. Die Leute haben mittlerweile Hornhaut auf der Seele: "Okay, Werbung muss sein, aber ihr koennt mich mal!" Dann waere ein Teil des Werbeaufwandes besser in Experi- menten angelegt: Wie ist die Rundfunkmasche (Einer sendet, alle zappen) durch einen Dialog zu ersetzen? In welcher Form, mit welchem Inhalt? Soll der Cola-Automat bei jeder Dose, die aus dem Schacht boel- lert, einen Schwatz beginnen? "Hallo da, ich bin der megacoole Automat. Was moechtest du nun - uebrigens gehoert die leere Dose in den Schacht da links! - noch eine Cola? Warum nicht? Ich geb sie dir viel billiger als jener haessliche Pepsispeier." Oder ganz cool: "He, du oller Konsument. Wie heißt Du - Jakob? Beknackter Name. Okay Jakob, ich geb einen aus: zwei Dosen zum Preis von noch einer. Jetzt kommste am Gruebeln, wa?" Eine zeitlang ginge das, aber es waere doch nur die alte Tour, in neuer Klamotte. Ich denke, wer mit Massen Geld verdient, wird die alte Werbung fortsetzen und die Kosten bei den Lieferanten und den Mitarbeitern hereinholen. Wer mit Werten arbeitet, stoesst leichter auf die Loesung. Dialog stift nur Sinn, wenn das Produkt voller Sinn ist. Den Rest kann man erproben, bis man den Dreh heraus hat. (ob) * Quelle: TNS-Emnid und Horizont 19/2000 > 8 GEGEN DEN STRICH GEKAEMMT ----------------------------------------------------------------- >--- Eine rechte Schreibweise ist eine zeitgemaesse Schreibweise Die Reform der Rechtschreibung wurde par ordre de mufti durch- gesetzt. So war das im Jahre 1901, da ging sowas. Heute muss man nicht Cluetrain buchstabieren koennen um zu ahnen, dass das Volk, ach was, die Bevoelkerung erstens nicht so genau hinhoert, sich zweitens das Obrige um den Effenberg'schen Finger wickelt, respektive drittens auch mal peinliche Fragen stellt. Etwa nach der Rechtfertigung einer Reform. Dass Sprachregeln mit der Logik ueber Kreuz liegen, ist nichts Neues. Da gaebe es in jeder Sprache was zu bekritteln. Fuer eine Reform von oben nach unten haette es daher nur eine plausible Begruendung gegeben. Diese wurde nicht erfuellt, naemlich dass sie konsequent sei. Unter dieser Bedingung haette sie - obzwar haesslich - eine faire Chance besessen. Stattdessen bekommen wir jetzt norwegische Verhaeltnisse, viele Rechtschreibungen nebeneinander. Eine reife Leistung. Da war die alte Schreibweise schon deswegen besser, weil sie bereits da war, und notfalls guckte man im Duden nach. Also haben die buerokratischen Reformer genau das Gegenteil ihrer Absicht erreicht: Keine Vereinheitlichung, Vereinfachung und Klarheit. Cluetrainleser ueberrascht das nicht und die Freunde dieses News- letters noch weniger. Die baerentatze wird - schweren Herzens - mit dem kleinen ASCII-Zeichensatz geschrieben. Dafuer leben die Umlaute und das SZ auf meinen Websites und es wird dort wie hier mit der Rechtschreibung beherzt experimentiert. Und sei es nur, weil auch ich nicht mehr durchblicke. Woraus wir den froehlichen Schluss ziehen, dass die Reform des Jahres 1998 so zeitgemaess war wie die von 1901. Damals fuehrte die korsettierte Obrigkeitsdenke direkt in einen dreissigjaehri- gen Krieg. Waehrend unser heutiger, freiheitlicher Anarchoegoissmus direkt ins Paradies ... (an dieser Stelle abgebrochen, Thema verfehlt, Rechtschreibung furchtbar, Fuenf, Setzen!) (ob) > Cluetrain promises nothing. > Cluetrain reminds us of certain possibilities. > Dig them, or don't. Your call: your life. (David Allen, Cluetrain-Diskussionsliste, im August 2000) ----------------------------------------------------------------- >--- b a e r e n t a t z e ------------ das waer's fuer heute -----------------------------------------------------------------