----------------------------------------------------------------- >--- b a e r e n t a t z e Mai 2001 ----------------------------------------------------------------- >--- der wirklichkeitsnahe Brief >--- zur Praxis und Ethik des Marketings in der Neuen Oekonomie Deutsche Bibliothek ISSN 1438-4914 (Archiv) Jahrgang/Ausgabe/Datum 3/2/ 4. Mai 2001 Frequenz circa 6 Ausgaben pro Jahr Preis gratis Herausgeber Dipl.-Ing. Oliver Baer Homepage http://www.baerentatze.de Waehlen Sie Courier fuer gleichmaessiges Zeilen-Layout > INHALT ----------------------------------------------------------------- - Zur Email, die in die Jahre kommt 1 Warum ueber HTML-Mails streiten? - Machen Sie's doch einfach richtig: So wie die Umstaende es verlangen 2 Endstand 4:1 - ASCII gegen HTML Auch fuer Nichtpuristen ueberwiegen ASCII's Vorteile 3 Tipps zur Email im Geschaeftsleben - mit einer Illustration, fuer die Unglaeubigen. Das hat's in der baerentatze noch nie gegeben! 4 Technische Hinweise: Anmeldung, Abmeldung, Impressum 5 Spottolski - ueber das Ende der Fahnenstange 6 Ciao, ciao - Mit einem Newsletter Kunden vertilgen 7 Auf den Goodwill pfeifen - Was ist, wenn dem Verbraucher die Knollen nicht mehr schmecken? 8 Gegen den Strich gekaemmt - "Sie sollen sich wohlfuehlen!" > Zur Email, die in die Jahre kommt ----------------------------------------------------------------- Liebe Leser, In der Oeffentlichkeit zu popeln, ist nicht strafbar. Was im ge- schaeftlichen Alltag per Email angestellt wird, auch nicht. Wo ist der Knigge, wo Frau Pappritz? Verwenden Sie die Email wie kleine Jungs das erste Taschenmesser: frei von Ruecksicht und von Sachkenntnis ungetruebt? Ueberlegen Sie mal, wieviel Potenzial darin steckt, sich von den Ignoranten abzuheben, indem Sie die einfachen Regeln der Hoeflichkeit zur Norm machen. Sie finden in der baerentatze von nun ab handfeste Tipps zur Ent- wicklung Ihrer Kultur des Dialogs im Netz. Das umfasst vor allem, aber nicht nur den Umgang mit Email. Die Aelteren erinnern sich an Telex. Da wurden auch Tippfehler toleriert, Abkuerzungen verwendet, und die Kommunikation per Fernschreiber besass den Charm des Spontanen, wo angebracht, und des Praezisen, wo erforderlich. Auch sah man dem Telex von weitem an, dass die Sache ernst war. Denn es war muehsam, ein Telex zu verfertigen. Email ist ueber viele Knoten des Netzes hinweg ein Medium der spaeten Sponti-Generation und darueber wollen wir uns nicht mokieren. Wir wollen nur ein winziges bisschen gegensteuern. Auch die Postkarte aus Jamaica ist eine Zumutung, wenn sie keiner lesen kann, oder mag. Die Redaktion ist ab dieser Nummer um Dr. Michael Charlier ver- staerkt. Ihn treffen Sie im Web u.a. mit seiner Sammlung von Glossen zur Netzkultur und dem "Schwerpunkt ist der Inhalt," sagt er, "nicht die Technik. Technisch ist (fast) alles moeglich, aber die Frage ist doch: Was fangen wir damit an?" Bei der Gelegenheit haben wir Hortensia Hummel gefeuert; Bauern- beschimpfung (siehe vorige Ausgabe) ist bei der baerentatze ab sofort Chefsache. Irgendwer muss ausserdem gemerkt haben, dass es (hh) nicht gibt. Da hat sich die Maennerriege in der Redaktion spontan solidarisiert, naemlich gegen sie -- Feiglinge! Ihr Oliver Baer PS: Sie haben sicherlich schon davon gehoert: "Die Kunst des Kriegens", von Sun Spot Tol, allseits gelesen von Managern, die etwas auf sich halten. Wir haben das Original gefunden und veroeffentlichen erste Auszuege der Uebersetzung: > 1 Warum ueber HTML-Mails streiten? ----------------------------------------------------------------- ---- Machen Sie's doch einfach richtig: So, wie die Umstaende es verlangen. Eine der beliebtesten Kommunikationsformen - nicht nur im Inter- net - ist der Streit. Unter Emailern zum Beispiel darueber, ob man seine Post gefaelligst im schlanken ASCII-Format zu ver- schicken habe, am besten im besonders mageren und verkehrssiche- ren 7-Bit-ASCII ohne Umlaute und SZ. Oder doch als HTML-Mail, voluminoes zwar, aber auch ausdrucksstark mit verschiedenen Schriften und einer Illustration hier und dort. In der Wolle gefaerbte Webpuristen entschieden diesen Streit (fuer sich) bislang auf ziemlich rabiate Weise: Sie setzen ihr Mailprogramm auf "nur ASCII" und lassen den Rest der Welt wissen, wer ihnen einen Brief schreiben wolle, solle seine Software gefaelligst so einstellen, dass sie "richtige" Emails produ- ziert, und damit Basta. Das kann aber gar nicht jeder. AOL, hat seinen Mitgliedern jetzt eine neue Software (die beruechtigte Version 6.0) beschert, die alle Mails in einem Kombiformat verschickt - sowohl ASCII als auch HTML. Aus- schalten kann man das nicht mehr. Das ist keine Petitesse. AOL hat insgesamt 30 Millionen Kunden und wird in USA auch gerne fuer "Business nach Dienstschluss" genutzt. Weltweit gewinnt das von Microsoft als Zugabe zu Windows "verschenkte" Outlook Express immer mehr Nutzer. Es ist nicht so schlecht wie sein Ruf, und wenn man es ihm aus- druecklich sagt, verschickt es sogar Mails nur als ASCII- Text. Voreingestellt ist freilich HTML, und deshalb finden sich in meinem Briefeingang immer mehr Mails in viel zu klein voreingestellter Times Roman vor grauem Hintergrund, deren Absender gar nichts wissen vom Unterschied zwischen ASCII und HTML. Diese Absender machen ihren Job als Abteilungsleiter in der Bank oder Chefsekretaerin in der Spedition und sind froh, dass sie gerade den Produktivitaetsknick ueberwunden haben, der ihnen nach der "Einfuehrung des Internets" am Arbeitsplatz zu schaffen machte. Gar nicht froh dagegen macht es sie, wenn sie beschimpft werden, weil sie nicht wuessten, wie man "richtige" Mails schreibt. Schimpfen Sie nicht - machen Sie es einfach selbst besser. Ich will Ihnen nicht in Ihre privaten Mailgewohnheiten reinreden, aber fuer's Geschaeft habe ich einen Tip: Versenden Sie, wenn es nur irgendwie zu machen ist, keine HTML-Mails. Aber sperren Sie sich auch nicht gegen den Empfang. Es koennte Post von Ihrem besten Kunden sein, der das Internet erst gestern entdeckt hat. (mc) > 2 Endstand 4 : 1 ----------------------------------------------------------------- ---- ASCII gegen HTML. Auch fuer Nichtpuristen ueberwiegen ASCII's Vorteile 1. Ungewollt verschickte HTML-Mail vermittelt dem Empfaenger den Eindruck, es mit jemand zu tun zu haben, der weder vom Internet noch von seinem Mailprogramm eine Ahnung hat - wollen Sie sich das antun? 2. Ungekonnt gestaltete HTML-Mail wirkt immer haesslich. ASCII augenfreundlich zu schreiben, ist vergleichsweise einfach. 3. HTML-Mail verlaengert die Ladezeiten und laesst Festplatten ueberlaufen. Wer taeglich zweihundert Mails bekommt oder seine Post im Hotel abruft, wird Sie als Absender der bunten HTML-Mails fuer ziemlich ruecksichtslos halten. Probieren Sie's mal selbst. 4. Puristen filtern Nur-HTML-Mail ungelesen aus. Wenn Sie einen Organizer oder Handheld besitzen, nimmt der Ihnen die Muehe gleich ab: Auf den Minis kommen HTML-Mails gar nicht oder kaum lesbar an. 5. Doch, die Schwiegermutter in Melbourne hat sich gefreut, als Sie die Geburt der Juengsten in einer HTML-Mail mit- teilten: Babyphoto auf rosa Hintergrund, das hat was, und wenn man der Kleinen mit der Maus ueber die Nase faehrt, macht es im Lautsprecher Rabeeeh. Wenn Schwiegermamas PC Multimedia hat. Mails sind das eine - Newsletter etwas sehr aehnliches. Was dabei in Sachen HTML zusaetzlich zu bedenken und womoeglich auch zu tun ist, haben wir zur Entlastung dieses ultraschlanken 7-Bit-ASCII- Newsletters auf dem Website fuer Sie deponiert. Greifen Sie zu: (mc) __________________________/ Annonce \____________________________ Englisch Intensiv, im Raum Dresden in kleinen Konversationsgruppen fuer Anfaenger oder Fortgeschrittene Tel 035955 42135 __________________________ ____________________________ \ Annonce / > 3 Tipps zur Email im Geschaeftsleben ----------------------------------------------------------------- ---- In loser Folge stellen wir Ihnen in den kommenden dreissig Jahren pro Ausgabe ein paar Tipps vor, die Ihren Ruf als sachlicher, hoeflicher Mensch des Geschaeftslebens begruen- den. 1. Tipp: Auch wenn's von Puristen mit Schaum vor dem Mund ge- fordert wird - pruefen Sie ganz nuechtern und sach- lich, ob Ihre Mails im HTML- oder im ASCII-Format verschickt werden. Das ist vielen Email-Jusern nicht bekannt. Machen Sie sich schlau. Notfalls melden Sie sich bei uns, wir helfen Ihnen. Diese Katzen, im HTML-Format dargestellt, was meistens Times Roman bedeutet, wuerden tierschutzbeduertig aus- sehen. Warum? Weil Sie zwar sehen, was Sie auf dem Bild- schirm komponieren. Aber was der Empfaenger sieht, wissen Sie nicht. /^--^\ /^--^\ /^--^\ \____/ \____/ \____/ / \ / \ / \ | | | | | | \__ __/ \__ __/ \__ __/ |^|^|^|^|^|^|^|^|^|^|^\ \^|^|^|^/ /^|^|^|^|^\ \^|^|^|^|^|^| | | | | | | | | | | | |\ \| | |/ /| | | | | | \ \ | | | | | ######################/ /######\ \###########/ /########### | | | | | | | | | | | \/| | | | \/| | | | | |\/ | | | | | | |_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_|_| Sie haben Besseres zu tun als Bildchen zu bauen? Aber eine spontan gebastelte Tabelle wie diese kommt schon mal vor. Schreiben Sie sowas nicht mit TAB, sondern mit Leerstellen: € / Stueck € 14 Katzenfutterdosen 2,00 28,00 3 uralte Witze 310,00 630,00 2628 Hosenknoepfe 0,05 131,40 ------ Ueberweisen Sie 789,40 ====== Der Aufwand, dasselbe per HTML zu schreiben, waere sehr viel hoeher, und das Resultat ... aber da waren wir schon. 2. Tipp: Wenn Ihre Mail an zwei Dutzend Empfaenger gehen soll, die einander nicht kennen, behalten Sie die Adressen fuer sich. Das sei selbstverstaendlich, sagen Sie, zu Recht. Aber Viele machen es falsch, und merken es nicht. Sie verschicken die Mail mit einer meterlangen Adress- liste im CC ("Kopien an"). Ein vernuenftiges Mailerprogramm (mail client) laesst Sie Gruppen von Adressen zusammenstellen; so bleiben sie vertraulich. Man wird Sie fuer Ihre Diskretion schaetzen. Mehr Tipps, an dieser Stelle, in der naechsten baerentatze! (ob) > 4 Technische Hinweise und Impressum ----------------------------------------------------------------- >--- Bestellen und Abbestellen mit einer leeren Mail an: zum Bestellen zum Abbestellen >--- Redaktionspolitik: >--- Beitraege von Ihnen: Bitte per Mail an: >--- Ihre Wuensche, Anregungen, Ideen: Bitte per Mail an: >--- Diskussion, mit den Lesern von brand eins: >--- Impressum: V.i.S.d.P.: baerentatze wird herausgegeben von Oliver Baer Schleissbergstr. 10; D 01896 Ohorn; Deutschland. Tel.:+49 (35 955) 4 00 99 | ob Oliver Baer | mc Michael Charlier | ii Isidor Iltis | Namentlich gezeichnete Beitraege stellen nicht die offizielle Meinung der Redaktion baerentatze dar, sondern die ihrer Autoren. Weder die Redaktion noch Oliver Baer uebernehmen eine Haftung fuer die sachliche Richtigkeit der Beitraege sowie daraus resul- tierende Handlungen. Copyright dieser Ausgabe liegt bei Oliver Baer, das der jeweiligen Beitraege bei ihren Autoren. Eine Ver- vielfaeltigung und/oder Weiterverbreitung der baerentatze ist nur komplett, nicht auszugsweise, und nur mit ausdruecklicher Zustim- mung des Autors zulaessig. Fuer unverlangt eingesandte Manuskrip- te wird keine Haftung uebernommen. > 5 Spottolski - ueber den Wandel in der Wirtschaft ----------------------------------------------------------------- ---- Durch gutes Timing gelang es der Redaktion, Spottolski zwischen zwei Nickerchen aufzustoebern und zu befragen. b: Ist das Ende der Fahnenstange erreicht? Spot: Das stellt sich heraus, sobald man oben ist. b: Aber die Neue Wirtschaft liegt am Boden? Spot: Dort habe ich nachgesehen, der Boden ist voller Geruempel. Eine gute Umgebung fuer Siebenschlaefer. Maeuse gab's keine. b: Aus Ihrer Sicht also Business as Usual, oder wie schaetzen Sie das Geschaeftsklima ein? Spot: Die Fruehjahrsrolligkeit der Miezen war heuer durch perma- nente Niederschlaege getruebt. Eine Sauerei, dieser April, die Regierung sollte was unternehmen. b: Ist das nicht vielmehr ein zyklischer Wandel? Spot: Jedes Jahr gibt's Jungkater, die meinen sie haetten den Markt fuer sich. Aber es stimmt schon, ein paar von den aelteren Kollegen standen ganz schoen im Regen. b: Demnach laeuft das Geschaeft wie gewohnt? Spot: Die Erfahrung lehrt, dass wir aus der Erfahrung nichts lernen koennen. b: Das hat schon Einer gesagt. Spot: Wer? Den mach ich alle! b: Hegel, aber der sagt schon lang nichts mehr. Spot: Das ist klug. Er soll sich aus meinem Markt heraushalten. b: Konkurrenz stoert sie offenbar. Ist das ein Kennzeichen der alten, respektive neuen Oekonomie? Spot: Jeder markiert sein Revier so, wie er gut zu Fuss ist. b: Eine richtungsweisende Bemerkung. Spot: Ich will Ihnen was sagen: Marketing heisst, dass die Miezen wissen, wer dran ist. Markiert ein Kollege in meinem Revier, muss ich hin und uebermarkieren. Es heisst nicht umsonst "Mark-eting". b: Ist das nicht eher ein "Mark-up"? Spot: Wissen Sie wieder alles besser? b: Ich frage mich nur, was "eting" heisst Spot: Polnisch ist es nicht. b: Zurueck zu Ihrem Geschaeftsmodell: Wird sich das auf die Dauer halten? Dass die Miezen wissen, wer der Oberkater ist? Spot: Die Miezen ... ich will's mal so sagen: Unsere Kunden erwarten, dass die Dinge so sind, wie sie sind. We are here to serve you, sagte irgendwer. b: Dafuer klettern Sie auch auf Baeume? Spot: Sie spionieren mir nach? Das sag ich Ihnen: Elstern, die von Ast zu Ast hopsen, mit ihrem Geschrei meine Ruhe beeintraechtigen ... b: ... Haben Sie schon mal eine gefangen? Spot: Ist doch widerlich, diese Gefieder. Nein, Voegeln widme ich mich nur wegen der Wellness. Das haelt die Reflexe auf Vordermann. b: Was wiederum den Miezen zugute kommt? Spot: Sie sagen es. Hauptsache bleibt aber, es gibt genug Maeuse. Gut sind auch Maulwuerfe, Igel weniger. Mit Herrchen habe ich darueber hinaus eine Abmachung: Er bunkert das Dosen- futter, ich schlafe im Papierkorb. Klare Verhaeltnisse, das liebe ich. b: Ein konservatives Geschaeftsmodell. Aber auch Sie haben sich im Neuen Markt versucht ... Spot: Ich? Nie! b: Mituh-Dotkomm AG, die war doch Ihr Boersengang. Spot: Ach die. b: Aus den Augen, aus dem Sinn? Spot: Die Mituh-Dotkomm AG diente der Ablenkung. Dass Sie das nicht durchschauen! Waehrend die Jungkater auf Roadshow unterwegs waren, habe ich lukrative Serviceauftraege bei den Miezen abgefackelt. b: Und das Community Marketing, "Mit den Kunden einen Dialog aufbauen", und so: Alles Vergangenheit? Spot: Nichts ersetzt den hautnahen Kundenkontakt! Wer sich da einmengt, kriegt was um die Ohren. b: Ich sehe, Ihr rechtes Ohr erinnert an Blumenkohl. Spot: Das kommt von der Marktforschung. Aber da sind Sie im falschen Interview. b: Wir sehen uns also nachher nochmal [*]. Spot: Und jetzt, zum Abschluss noch eine Frage, eine Bemerkung? b: Doch: Wie spaet ist es? Spot: Das heisst: "Danke fuer das Gespraech!" b: Bitte sehr. Uebrigens, wer zuerst abgeht, hat verloren... Die Redaktion hat neuerdings den Bogen raus, wie man in der Neuen Wirtschaft Interjuhs macht. [*] Siehe die Erhebung zum interaktiven Fernsehen: (ob) > 6 Ciao Ciao ----------------------------------------------------------------- ---- Aus Schweden erreicht uns der folgende Beitrag zur Frage wie man Kunden vertilgt. "Irgendwann habe ich mich, lediglich mit Email und Benutzernamen bei Ciao registriert und - dummerweise - auch fuer den Newsletter eingetragen. So weit, so schlecht. Seit einiger Zeit kommt dieser Newsletter in HTML-Form in meine Mailbox hereingeschneit - nein, besser im Schneckentempo geschli- chen, dick und fett. Nachdem ich bislang einfach die -Methode gewaehlt habe, wollte ich mich endlich mal austragen und suchte die sign-off- Instruktion. Im Newsletter selbst: nix. Auf der Website: kein mehr oder minder offensichtlicher Link zum Newsletter. Mangels passender Themenauswahl durfte ich meine Beschwerde dann unter dem Topic "sonstige Fragen" aus dem Auswahlformular an Ciao schicken. Heute kam dann die Antwort, HTML sei "einfach viel besser und schoener" und austragen koennte ich mich unter meinem Kundenprofil. D.h. Einloggen mit Password ist notwendig. Tja, das habe ich zum Glueck irgendwo rausgraben koennen, Einstellungen aufgerufen, ausser Newsletter-Button auf "Abbestellen" nichts geaendert - und bekomme die nette Meldung: Bei der Ueberpruefung Ihrer Eingaben wurden folgende Fehler festgestellt: Feldname Fehler Vorname Eingabe erforderlich Nachname Eingabe erforderlich Geburtsdatum Eingabe erforderlich Strasse/Hausnr Eingabe erforderlich Postleitzahl Eingabe erforderlich Wohnort Eingabe erforderlich Beruf Eingabe erforderlich Wohlgemerkt, um NICHTS von ihnen zu bekommen... Erneute Beschwerdemail ist unterwegs, aber ob's was nuetzt? Hab sowieso schon zu viel Zeit in die Geschichte gesteckt, das nervt mich am allermeisten. Danke fuer's Luftmachenduerfen!" Gruss aus Schweden, Antje Harder Dazu unser Senf: --------------- Ciao stellt das Eigeninteresse (Kundendaten hamstern) ueber das der Kunden. Das kann jeder Anbieter halten, wie er moechte. Wahrscheinlich sagt sich Ciao, auf die paar Querulanten koenne man verzichten. Recht hat Ciao. So legt die Firma ihre Unternehmenskultur ins Schaufenster. Dort einzusehen von den Mitarbeitern, den Liefer- anten, ach ja, und den Kunden. Und den Investoren. Die duerfen sich eigene Gedanken machen, welche Fruechte so ein Zynismus hervorbringen mag. Sicher nicht Treue, Kostenbewusstsein, Ressourcenpflege. Ausser- dem muss, wer die Menschen verachtet, mehr fuer's Marketing ausgeben, als noetig ist. Eine Frage der Wirtschaftlichkeit, nicht der Moral. (ii) > 7 Auf den Goodwill pfeifen ----------------------------------------------------------------- ---- Auf den Standpunkt kann man sich stellen: "Wir produzieren nur, was die Leute wollen." Fruehkartoffeln beispielsweise, die nach Brackwasser schmecken. Ob es den Bauern freut, mit teuren Maschinen Nonsensprodukte zu erzeugen, koennte er doch mit wenig mehr Aufwand eine Sache zu Markte tragen, die ihm eine Extramarge verheisst, sei dahin ge- stellt (--> rationales Handeln). Den Marktingmenschen schmerzt, auch abseits aller Ethik, wie hier gesuendigt wird: Was die Leute von einem halten, nennt man den Goodwill (--> Markenbildung, --> Betriebsbewertung, --> PR). Seit Seuchen und Subventionen auch an buergerlichen Esstischen eroertert werden, weil einem zu den Knollen auf dem Teller nichts mehr einfaellt, ist die Sympathie der Kundschaft keine Nebensache mehr, und schon gar nichts, was man Funktionaeren ueberlassen duerfte (--> Beton). In Sachen Landwirtschaft ist der Kunde naemlich auch Steuerzahler und daher von Hause aus muerrisch: Als solcher neigt er erstens nicht zur Selbstkritik, sondern schiebt die Schuld auf Andere; dafuer bieten sich zweitens die Bauern an; sowie drittens die Agrarlobby, der man gerne mal antaete, was der FC Bayern mit seinen Gegenspielern auf dem Rasen tut; und wenn sich am Wahltag nur genuegend Wechselwaehler finden, wird eine Partei koalitionsfaehig, der die Knollen auch nicht schmecken (--> Moellewelle?). Bisher haben die Bauern Glueck, weil sich die Gruenen pausenlos in den Fuss schiessen (--> Schwein gehabt?). Es waere jedoch ein teurer Missgriff, den Imagewerbern zu vertrauen. Sie werden es nicht richten mit ihren "vertrauensbildenden Massnahmen". Es sind schon ganz andere Systeme zusammengebrochen, weil die Menschen auf sie pfiffen. In der Sprache des Landwirtes: Auf den Goodwill zu scheissen, mag zum Brauchtum zaehlen, ein aermliches Marketing ist es trotzdem. (ob) > 8 Gegen den Strich gekaemmt ----------------------------------------------------------------- ---- "Sie sollen sich bei uns wohlfuehlen" "Sie sollen leicht finden, was Sie suchen" "Sie sollen ein zufriedener Kunde sein." Eine seltsame Tonart, finden Sie nicht? Irgendwie biblisch: Feuer und Bimsstein dem, der sich trotzdem nicht zurecht findet! Wie waer's mit einer offenen Sprache: "Sollte unser Angebot trotz aller Bemuehung konfus sein, bitte klicken Sie hier!" Kein Zweifel, mit seiner Sprache verraet sich der Anbieter. Man muss sich nur die Muehe machen, zu lesen was er sagt. Aesthetik heisst Wahrnehmung. (ii) ----------------------------------------------------------------- >--- b a e r e n t a t z e ------------ das waer's fuer heute -----------------------------------------------------------------