Was wir für die Wirklichkeit halten, sei das Ergebnis von Kommunikation, nicht umgekehrt, sagte Paul Watzlawick. Was man daraus macht, wusste Groucho Marx allerdings schon vorher:
"Der Schlüssel zum Erfolg im Leben sind Ehrlichkeit und Redlichkeit ... Können Sie diese vortäuschen, haben Sie's geschafft."
Das ist dem Marketing über Jahrzehnte gelungen, und so wird es weiter Illusionen für Menschen fabrizieren, die sich täuschen lassen. Allerdings wird die Sache immer kostspieliger. Es hat eine Börsenblase gegeben, von Comroad bis Enron wird heiße Luft gebucht, Durchstecherei ist Politiksport, nicht nur in rheinischen Großstädten, und unbeirrt ziehen Microsoft & Konsorten den verwirrten Juser über die Kante, wo sie nur können.
Bleiben in dieser Zeit wenigstens Ihre Kunden die alten? Man könnte behaupten, schlauer seien sie kaum geworden, aber misstrauischer, damit wäre zu rechnen. Es sei denn, der Marxismus beherrscht Ihr Marketing. Wir vertiefen in dieser und kommenden Ausgaben, wie sich die Vertrauensfrage in das Marketing einschleicht.
Sie sehen hier, im Web, die ungekürzte Fassung der baerentatze. Hingegen versenden wir im gewohnten kostenlosen Abonnement, also per eMail, neuerdings nur noch Auszüge aus der baerentatze, im vertrauten Nurtextformat. Das hält Ihre Mailbox schlank, das Nurtextformat eignet sich besser für kurze Texte. Die "Auszüge" erinnern Sie beizeiten, dass es an dieser Stelle im Web die neue, ungekürzte Ausgabe zu lesen gibt.
Abonnieren, damit Sie nichts verpassen
Warum wir diese Veränderung nicht auf die leichte Schulter genommen haben, findet spannend nur, wer selber einen Newsletter plant. Dem erzählen wir die Details persönlich. Im übrigen experimentieren wir weiter mit der baerentatze.
Bitte bleiben Sie uns gewogen.
Ihr Oliver Baer
Wir ärgern uns über die eMailflut in unseren eBriefkästen. Das hat Emnid ermittelt: Weiterhin werde viel telefoniert und das Papier im Büro habe sich auch vermehrt.
Für Tante Emma gehörte die Kommunikation schon immer zum Produkt: Die fassbaren Waren werden immer billiger, die Margen liegen in den weichen Leistungen, und diese wiederum stecken in der Kommunikation, manche Produkte sind nur Kommunikation. Wie man mit dem infernalischen Rauschen fertig wird, macht uns gehörigen Kummer. Wie wir bei dem Lärm unsere Kunden noch wahrnehmen. Denn im Grunde kann uns nichts besseres widerfahren, als hunderte, tausende eMails der Kunden; sie sind die potenziell treuesten aller Kunden.
Es werden also immer mehr eMails im eKasten liegen. Deshalb sieht sich der Praktiker nach Werkzeug um. Bietet das eMail Response Management eine echte Hilfe? Lässt sich wenigstens ein Teil der Korrespondenz automatisieren? Kommt man dem Kunden näher? Merkt er, dass ihm ein - wenn auch pfiffiges - Programm antwortet und er reagiert angemessen, beispielsweise gar nicht? Ich denke, man kann mit offenen Karten spielen:
"Ja, wir bohren harte Bretter. Nein, nicht mit den Fingernägeln. Aber ja, mit den eigenen Händen, wo es darauf ankommt."
Das Werkzeug hilft außerdem, einen Haufen Kosten zu sparen; aber das ist nur Nebennutzen, mehr Kosten sparen Sie mit dem Verzicht auf Kommunikation. Fragen zur Dialogfähigkeit besprechen wir in einem Kreis der im Netz zusammenkommt, per eMail (ausgerechnet). Sie schließen sich dem Gespräch mit einer leeren eMail an: join-dialog@mailliste.de. Wettbewerber der einladenden Firma dial systems sollen in Kürze ebenfalls eingeladen werden.
Automatik plus Manufaktur
Was Tante Emma intuitiv richtig machte, wäre uns heute zu personalkostenintensiv. Aber wer seinen Kunden bietet, was Tante Emma nicht nur versprach, der entspricht einem Bedürfnis im Markt. Wahrscheinlich ist die Frage, nicht ob, sondern wie man das macht. Dazu brauchen wir mehr Kommunikation (und Technik) als im Massenmarketing, das lässt sich nicht ändern. Hauptsache, wir vergessen die gepflegte Handarbeit nicht. (ob)
~Um Software zu suchen, die wir guten Gewissens verwenden und weiter empfehlen können, waren wir zur CeBIT gezogen. Bekommen haben wir als Zugabe eine Lektion zum Wesen und Unwesen des Verkaufens.
Unvergessbar der Meistermarketier - Typ Staubsaugervertreter - der uns ohne Atem zu holen die Vorteile eines Sportcoupés pries - und uns nie zu Worte kommen ließ um einzuwerfen, daß wir eigentlich einen Kleinbus suchten. Wir rätseln immer noch, warum er alle Nase lang schrie: "Sie haben völlig Recht!", da wir doch kaum etwas gesagt haben.
Am anderen Stand, bei einem Unternehmen gleicher Größe, war dann die junge Frau, die uns mit dem Prospekt in der Hand herankommen sah und schneller fragte: "Womit kann ich helfen?" als wir uns orientieren konnten. Die flapsige Antwort: "Uns jemanden besorgen, den wir fragen können, ob das, was hier im Prospekt steht, auch stimmt" löste nur eine Schrecksekunde aus: "Moment, kommt gleich".
Der Gesprächspartner, den sie dann anbrachte, gab uns zunächst eine anschauliche Präsentation seines Content-Management-Systems - nicht ohne einfließen zu lassen, dass dieses oder jenes Feature im Dialog mit Kunden und Anwendern entstanden sei. Er ließ uns für Nachfragen zu Wort kommen - und gab sachbezogene Antworten.
Als ihm eine Sache misslang, knurrte er "Mist - und ich sage meinen Leuten doch immer, sie sollen nichts vorführen, wenn sie nicht genau wissen, wie es geht." Der Blick auf die Visitenkarte zeigte: Der CEO höchstpersönlich vertrat sein Produkt.
Aus dem Bauch, nicht aus der Schulung
Eines der beiden CMS stellen wir demnächst ausführlicher vor - Ankündigung an dieser Stelle. Dreimal dürfen Sie raten, welches. (mc)
~Zuerst fiel "Napster" - mit der Erdrosselung der Musiktauschbörse demonstrierte die Industrie ihren Unwillen, dem Markt zu geben was er haben möchte. Ob es sich ausgezahlt hat? Nicht die Bohne.
Und nun Leo Kirch. Sein Fall demonstriert die Vergeblichkeit des Versuchs, am Reißbrett entworfene Produkte der Unterhaltungsmaschinerie dort zu vermarkten, wo sich partout kein Markt versammeln mag. Ob das mit UMTS besser wird?
Was zwischen Napster und Kirch in der Informations- und Kommunikationswirtschaft sonst noch erst am Markt vorbei und dann in die Binsen gegangen ist, füllt alleine für Deutschland viele Seiten auf www.dotcomtod.de.
Werfen Sie dagegen einen Blick auf das Erfolgrezept von Unternehmen, die es im Netz zu etwas gebracht haben. Die Suchmaschine Google zum Beispiel, sie hat die Kommerzialisierung bewältigt. Oder den globalen Versteigerer Ebay, der kann bei über einer halben Milliarde Transaktionen im letzten Jahr gar nicht anders, als Geld zu verdienen.
Geld verdienen im Internet
Ach ja. Beide haben nichts zu verkaufen und nichts zu verteilen, noch nicht einmal etwas zu verschenken. Sie machen, was das Netz am besten kann: Sie stellen Verbindungen her. Nicht von einer Zentrale zu den Satelliten, sondern zwischen vielen, gleichberechtigten Akteuren, die alle ihre eigenen Interessen verfolgen.
Bei Napster wollte - und konnte? - die Musikindustrie das nicht hinnehmen. Google und Ebay dagegen machen die Aktivität "souveräner Netzsubjekte" zur Grundlage ihres Geschäftsmodells. Es scheint sich zu lohnen. (mc)
~"Die Versicherer wollen ihre Verluste mit verstärktem Schadensmanagement wettmachen," nörgelt die Motorwelt, das Lobbyblatt für Massenkunden mit Auto.
Martha Meisegeier rechnet daher mit einem Schreiben Ihres Versicherers:
"Liebe Kundin, Du hättest eine preiswerte Werkstatt an der Hand, sagst Du, eine mit nicht so irrsinnigen Fixkosten, werksungebunden und dennoch gut? Dann möchten wir Dir einen Rabatt verpassen, Du musst lediglich Deine Mühle immer dort reparieren lassen."
Vermutlich wird es der Versicherer in kleinen Buchstaben formulieren. Otto Ochsendung, der ihn gegenüber Frau Meisegeier vertritt, dürfte aber so reden, dass auch die gute Martha geistig folgen kann. Aber er tut es nicht, stattdessen erzählt er Döntjes aus der Verkaufsschulung ("Dem Kunden immer alles mit Beispielen veranschaulichen!").
Verkäuferdöntjes
Birger Priddat (Uni Witten/Herdecke) wurde von brand eins gefragt, was sich auf dem Weg in die Dienstleistungsgesellschaft verändern müsse.
"Wenn Dienstleistungen Personal Services sind, brauchen wir Personen, die Charakter haben, der abstrahlt und ankommt ... Plötzlich werden ... Anforderungen bedeutsam: Nicht nur kognitive, intelligenzheischende, sondern Herzensbildung "
Das könnte, wird aber nicht Herrn Otto Ochsendung grübeln machen: Denn hier geht's um Unternehmenskultur, eine Sache die mit ein bisschen Sponsoring von Kunst, Sport und so weiter nicht verwechselt sein will. Und dessen Wirkungen zum nächsten Quartalsbericht ohnehin verfallen, dann steht der strapazierte Leumund wieder da wo ihn der Kunde schon immer vermutete: "Guck Dir die Paläste an!"
Platt wie ein Feigenblatt
Experten meinen, es werde in der immer komplizierteren Welt Aufgaben für Agenten geben: Man kauft dann Produkte die keiner mehr durchdringt, nicht länger von Leuten die einen schlecht bedienen, sondern über Vertrauensträger die sich auskennen. Und die man selber gut kennt. Das könnte spannend werden. Zwar sind alle Verbraucher nicht schlauer geworden, aber viele misstrauischer.
Frau Meisegeier empört sich über "Die da oben" nicht mehr. Aber das ist kein gutes Zeichen. Sie merkt sich, wer einen über die Kante zieht, und dazu zählen, sagt sie, außer den Politikern so gut wie alle Großanbieter im Markt, die Versicherer, Energieversorger, Ölmultis, Banken, Softwarehäuser und viele mehr, auf die es sogar dann zutrifft, wenn es nicht stimmt. Meint Frau Meisegeier. (ob)
Mehr als der virtuelle Herr Kaiser
~Im volkstümlichen Bestreben, ein jedes Kind mit dem Bade auszuschütten, wird zur Zeit der Kindergarten geflutet.
Sie, lieber Leser, riskieren eine Abmahnung, wenn Sie eine einmalige, ausschließlich für einen Empfänger formulierte und nur an ihn gerichtete eMail verschicken, und dieser nun meint, er hätte diese Mail unverhofft, sprich unaufgefordert erhalten. Dahingehende Urteile gibt es bereits, gottlob auch widersprechende.
Spamming - die Belästigung Anderer per eMail.Da wird der Verbraucher- sowie Datenschutz beinhart über die naturgemäße Unfugsgrenze hinaus geritten. Aber das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint. Nach Heine ist das Schöne an uns Deutschen: "Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht." Wollen wir's hoffen, und bis sich die Vernunft durchsetzt, raten wir zur Vorsicht: Es gibt Leute, die haben wahrhaftig nichts besseres zu tun, als auf die eMail zu warten, die sie zum Tiger macht.
Als Geschäftsgrundlage geeignet nur für Direktkassierer, jenseits der Grenzen.
Spamming, der massenhafte Versand von eMails ohne Zustimmung der Empfänger entspricht dem alten Schrotgewehrmarketing: Irgendeinen wird es schon treffen. Das ist passé, außer für Pornoanbieter, aber die lesen hier nicht mit. In der selben Ecke versammeln sich übrigens die Kettenbriefler: "Die kleine Maria Natalia stirbt an Leukämie, sie freut sich über Ihre eMail, leiten Sie diese Nachricht an Ihre fünfhundert intimsten Freunde weiter."
Wem Maria Natalia wirklich am Herzen liegt, der verfasst eigenhändig eine eMail, eine einmalige, einzelne. In der Hoffnung, dass ihn keiner abmahnt. Oder schreibt ihr mit der Hand, auf Papier. (ob)
Angenommen das Unternehmen eines unserer Leser leistete sich einen neuen Webauftritt, der so gut aussieht, dass er sogar gewohnheitsmäßigen Kritikern gefällt.
Dann könnten wir einen Link einbauen, damit Sie sich das ansehen und dann klicken Sie - und sehen nichts. Der Browser glänzt im porentiefen Weiß, wiederholtes Klicken schafft kaum einen Grauschleier. Sie würden sich kurz wundern, der Inhaber der Website dagegen öfter und immer wieder fragen: Wieso besuchen mich eigentlich gerade die Firmen nicht, für die mein tolles Produkt gemacht ist? Immer nur die Gucker von AOL und T-Online?
Besucher der Website ausgesperrt, verjagt, vergrault
Die Antwort fällt im konkreten Fall ganz leicht: die Erbauer der Website haben schon vor die allererste Seite ein Javascript-Element gesetzt - obwohl das dort niemand braucht.
Und der aufmerksame Administrator Ihres Firmennetzes hat auf der Website des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik gelesen, daß Javascript der Gesundheit Ihrer Netzwerkinstallation schädlich sein kann. Das ist zwar durchaus umstritten, aber viele Admins gehen auf Nummer sicher und drehen den Javascript-Hahn ab. Schon sehen Sie Weiß - und die Firma mit der Website in die Röhre.
Michael Charlier, dem das auf der Website unseres Lesers als erstes aufgefallen ist, hat nun für unser aller Nutz und Frommen ein interaktives Dingsda gebaut. Wenn sie mit einem neuzeitlichen Browser da hin gehen und auch sonst die Sterne günstig stehen, können Sie selbst überprüfen, ob auch Ihnen der Zutritt verwehrt bliebe. Gucken sie mal hin - wirklich! Bekommen Sie die Tür auf, oder bleibt sie zu?
Nur Mut, es wird überhaupt nicht gebohrt!
Überhaupt könnte Ihnen der Kollege Charlier eine wohlwollende, aber gar nicht schüchterne Kritik Ihrer Website machen, diskret zu Ihren Händen. Gegen eine angemessene Gebühr, versteht sich, die er im Falle weitergehender Aufträge verrechnet. So macht der das.
Ein solcher Auftrag würde Ihre Website auf den Stand bringen, dass sie ihren Zweck erfüllt. Oder wahlweise verwenden Sie Charlier's Kritik als Pflichtenheft für Ihre Webagentur. Vielleicht weiß sie es nicht besser und denkt immer noch an Hochglanz-Broschüre, wo es doch um den User an der Maus geht. (ii)
Das lag in der Luft, meint Spottolski, und fragt warum wir nie auf solche Ideen kämen, eh? Solchermaßen an der Ehre gepackt, gingen wir der folgenden Meldung nach:
"Die Salzkommunikation Berlin GmbH beabsichtigt, ein öffentliches Übernahmeangebot für das Königreich Dänemark zum Barpreis von 336,30 EUR (2.500,00 DKK) abzugeben."
Wir fanden Bernd Matzner, der in der Agentur offenbar etwas zu sagen hat, und fühlten ihm auf den Zahn. Mit dieser Sache gehe es der Agentur sicher nur um Geld, Ruhm und Macht, also Sex?
"Es geht um mehr," meinte er. "Wir schätzen Königin Margarethe, sie hat immer Zigaretten dabei. Außerdem: In Dänemark steppt der Bär."
"Jeder Mensch hat ein Recht auf Dienstreisen nach Kopenhagen," erläuterte Steffen Kepper, der auch dort herumstand. Und er meinte nicht die Politik.
Die Agentur werde sogar das dänische Logo übernehmen, warf ein Grafiker ein, man müsse aber noch dran arbeiten. Er hätte auch was Ordentliches lernen können, erläuterte er, "Aber wo findet man schon ein Tischfußball im Büro?"
"Und die Sprache?" wollten wir wissen. "Wer Dänisch drauf hat, kann sich die komplette Kryptografie schenken," verkündete hierzu Alf Arnold, noch so ein Schlaumeier bei der Salz-Kommunikation.
Hintergründiges offengelegt
"Einen schnuckeligen Dänen!" schwärmte eine Blondine, übrigens der einzige Mensch in der Agentur der was zu tun hatte. Oder so tat als wir zu Besuch waren. Sagenhaft. Spottolski fand den Berlin-Trip gut: "Kannstemachen.."
Schriftlich liege bisher nichts vor, bestätigte der Pförtner von Schloss Christiansborg, aber Ihre Majestät sehe der Sache mit Gelassenheit entgegen. Sie sei überhaupt locker drauf.
Na, denn gehnsemahin! (ii)
~Am 23. März lief meine Mailbox über. Ein Spammer hatte unter der Adresse "libnort26183@charlier.de" einige zigtausend Mails an AOL-Adressaten abgesetzt - und nun gingen alle unzustellbaren Mails an mich als den vermeintlichen Absender zurück ... mehrere hundert innerhalb weniger Stunden.
Das kann jedem passieren: Es heißt "Adress-Spoofing", ist peinlich und eine der leichteren Übungen im Missbrauch des Internets. Dabei hatte ich noch Glück, daß der Spammer nicht auch die Adresse meines Providers gefälscht hatte. Das ist schon schwieriger und hätte mich in den Verdacht bringen können, selbst Urheber der Mailpest zu sein. Doch so waren als Provider eine Miltärbasis in Russland, eine Universität in Thailand und ein Provider in Taiwan - das konnte ich kaum sein. So blieben mir wenigstens Gegenmaßnahmen der Postmaster von AOL erspart, sie mögen die böswillige Belastung ihrer Leitungen nicht und kippen Spammer auf kurzem Wege aus dem Netz.
Spoofing, sogenanntes
Glück hatte ich auch insofern, als der Inhalt der Mails nicht direkt ehrenrührig war - irgendwelche merkwürdigen Kreditangebote - und sich nur an entfernte amerikanische Adressen richtete. Sollten Ihnen bei Gelegenheit "Über 1000 Geschlecht Nocken" angeboten werden, noch dazu unter meiner Adresse, seien Sie versichert: Ich hätte die Übersetzung des Wortes Sex Cam keiner Software überlassen. Wenn schon, denn schon, aber ich verschicke grundsätzlich keinen Unfug, jedenfalls nicht unaufgefordert.
Sex Cam
Vorbeugen kann man dem Spoofing nicht. Aber man kann etwas dagegen tun, dass einem das Postfach zugeschüttet wird. Ich hatte einen "catch all" eingerichtet - soll heißen, mein Mailaccount war so konfiguriert, daß er alles akzeptiert, was bei @charlier.de ankommt. Das ist insoweit praktisch, daß ich auch Post bekomme, die beispiels- und vertippterweise an micjael@charlier.de gerichtet wurde. Das ist insoweit unpraktisch, als - siehe oben.
Also habe ich den "catch all" deakltiviert - irgendwas@charlier.de geht jetzt auf kurzem Wege an den Absender zurück. Viel mehr kann ich nicht tun - aber vielleicht Sie. Wenn Sie eine ständige Netzanbindung und damit eine feste IP-Adresse haben, stellen Sie sicher, daß man diese Adresse schlimmstenfalls fälschen, aber nicht tatsächlich als Relaisstation mißbrauchen kann - sonst macht man Sie ggfs. für Spam unter Ihrer Adresse verantwortlich.
Open Relay und Rundbrief
Als zweites könnten sie - auch dieses mit Hilfe einschlägiger Spezialisten - Verteiler aufbauen und geeignete Briefentwürfe für den Fall des Falles bereitlegen. Wenn dann empörte Geschäftspartner anrufen und Sie beschimpfen, daß Sie unsittliche Angebote verschicken (oder wahlweise: die nicht unsittlich genug sind, wer weiß), können sie nach kurzer Schrecksekunde Rundmails an Kunden und Geschäftsfreunde absetzen, in denen sie die Zusammenhänge erklären und Verdächtigungen widerlegen. Alles zur Pflege Ihres guten Rufes nicht nur im Netz. (mc)
Kundendaten sammeln wir
durch Befragung in Tiefgaragen, auf Kirchentagen (r.k.)Wir segmentieren unsere Kunden
vermittels DätameiningWir strukturieren die Anliegen unserer Kunden
beim Lunch (bei Alfredos kocht jetzt ein Kolumbianer!)Wir entfernen unseren Marketingleiter
randlos, vermittels virtuellem Haar-GelDas Vertrauen unserer Kunden erwerben wir durch
Erhöhung des C.I.-EtatsZur Vertrauensfrage sondern wir höchstens 14 Worte ab:
Wir verstecken uns hinter diesem Namen
baerentatze soll die fachliche Vollanalüse schicken an:
Bei Archivmaterial (wie dieser Seite) ist das Tschäcklistenformular ein Dummy, den können Sie nicht abschicken, die Absendefunktion ist ausgeschaltet!
Unsere Volontärin hatte Spottolski als ambulanten Mitarbeiter begrüßt. Das führte zu Interaktionsproblemen, sprich Zoff, in der Redaktion.
Was das heißen solle, tobte Spottolski. "So wie ein Schmetterling", flötete sie, "von Blüte zu Blüte flatternd." - "Lass den Unfug," sagte er, "was heißt Mitarbeiter?" und warf einen gar nicht diskreten Seitenblick auf seinen Honorarnapf. "Nichts los," verkündete er. "Ihr redet wie dieser Wolf Lotter."
Dass Spottolski brand eins bemosert, hat's noch nicht gegeben. Erst kürzlich hatte er den dort zitierten Professor Birger Priddat gepriesen und sofort beim Wort genommen: Die Dienstleistungsgesellschaft 'erfordere neue Bildungen: des Herzens wie des Rollenwechsels'. Das käme ihm zupass, tönte Spottolski, als Marketing-Kater müsse er die Rollen wechseln wie wir die Miezen.
Lesenswert dort nicht nur die Antworten von Birger Priddat. Die hier zitierte liegt ziemlich am Anfang:Das haben wir vorsichtshalber überhört. Zum Beweis mimte Spottolski nun einen Hasen, liegend, was einem Dachhasen nahe kam, aber immerhin, dann den Fischotter, eine beliebte Nummer, und neuerdings macht er auf Gnu, mitsamt dem Buckel und diesem melancholischen Savannen-Blick, der im Kino mit Violinen unterlegt wird. Ein Gnu in Sachsen ...
Als er anfing, wie Günter Grass auszuschauen, haben wir rasch eine Dose Thunfisch geöffnet. Er könne auch Wolf Lotter, behauptete er: Ob wir ein Foto hätten?
Also der sei nicht echt, erklärte unser Experte. Was der über Mäuse schreibe, nämlich nichts. Auch Miezen kämen ja in brand eins nicht vor, keine Igel, keine lärmenden Elstern im Baum, das gehe dem Karlo Normalkater alles am Rückwärtigen vorbei: "Immer nur umts, bumts und tubumts, wasolldas?"
"Ich lese sogar brand eins mit langen Armen," wandte ich ein, "meine Meinung bilde ich aus dem eigenen Denken." - "Alle Achtung!" sagte Spottolski, und kippte den leeren Napf um, man weiß ja nie.
Damit er auf keinen Fall vergisst, seine Expertise ist bei der Auswertung der Tschäcklisten gefragt, hielten wir ihm seine überregionale Bedeutung vor: Im Marketingcliff-Verzeichnis gibt es eine Unterkategorie "Ländliches Marketing", darin steht nur ein Eintrag: Spottolskis Website. Da ist er spontan aus der Redaktions getürmt, im Dorf herum erzählen: Weltmeister des Marketings ist nur einer, jedenfalls in Ohorn. (ob)
Bekam ich da kürzlich aus einem größeren Unternehmen zur Terminbestätigung einen Dreizeiler, und daran hing ein 35-zeiliger Footer als Gruß aus der Rechtsabteilung.
Wenn Sie diese Mail bekommen haben, ohne der richtige Empfänger zu sein, dürfen sie sie nicht lesen. Wenn Sie sie unbefugt gelesen haben, dürfen Sie sie unter keinen Umständen verwenden - vergessen Sie den Inhalt. Falls Sie sie nicht vergessen können, erschießen Sie sich..."
Oder so ähnlich.
Da werden sich die Industriespione aber grämen. Jetzt mal ohne Juristerei, die ist nicht mein Fach: eMail ist eine phantastische Sache zur schnellen und informellen Kommunikation. Aber eMails haben keine Umschläge. Sie werden in mühelos lesbarer Form über mehrere Stationen im Netz weitergereicht. Darüber, welche Stationen das sind, haben Sie keine Kontrolle.
Aber man weiß, daß US-Geheimdienste an strategischen Knoten des Netzes "Carnivore" installiert haben, das ist eine gefräßige Software, die alle Mails mitliest und gegebenenfalls zur weiteren Auswertung an die Zentrale schickt. Wahrscheinlich haben andere Dienste ähnliche Spione.
Höchste Geheimhaltungsstufe: BBR - das heißt Burn Before Reading!
Auch jenseits des Lange-Regenmantel-Milieus gibt es Risiken. Wo Technik werkelt, versagt sie auch mal. Immer wieder werden Mails fehlgeleitet oder gehen ganz verloren. Dazu kommen Benutzerfehler. Eine Sekunde nicht aufgepasst - und schon verschickt Frau Meisegeier den vertraulichen Angebotsentwurf an den Verteiler für den Branchen-Newsletter. Dumm gelaufen.
Dabei ist das so einfach: Bei der eMail kommt es nicht auf den Footer der Rechtsabteilung an, sondern auf das, was darüber steht. Und wenn das nicht alle Welt wissen darf, gehört die Mitteilung nicht in die eMail. Soll heißen: Nicht in die offene eMail. Weder finanziell noch organisatorisch ist es schwierig, Mails mit hohem Sicherheitsgrad zu verschlüsseln. Da beißt sich sogar Carnivore die Zähne aus. (mc)
Nach einem ganzen Tag auf der Messe sitzt mensch endlich beim Griechen, neidet den Typen nebenan die bereits servierten Dolmades, und ist und bleibt doch auf der Messe, bis zum Abwinken etliche Pilsner später.
Die am Nebentisch sind nämlich Aussteller, das merkt man am Klappern ihres Handwerks sowie der damit verbundenen Lautstärke. Dabei würde ihre Klage auf eine Postkarte passen, wie weiland die Nachricht der städtischen Dienstmagd an ihren Verlobten auf dem Lande:
"Alles Scheiße, Deine Emma"
Mensch konzentriert sich daher auf die mitgeschleppten Drucksachen, als wären diese tatsächlich spannender, was sie streckenweise durchaus sind, besonders wenn ... er dann nicht vernehmen würde, immer noch ungedämpft, wenn auch hopfenmäßig schon ein bisserl eingebremst:
"Da hab ich menschlich mit ihm gesprochen," sagt Cheftyp, guckt fromm, blinzelt und erläutert die Einzelheiten, "menschlich, nicht kaufmännisch!"
Und mensch dachte immer, Dänisch wär' schwer! (ii)
| Deutsche Bibliothek : | ISSN 1619-7909 (Web-Ausgabe) |
| Jahrgang/Ausgabe/Datum : | 4 / 3 / 20.4.2002 |
| Frequenz / Preis : | vierteljährlich / gratis |
| Herausgeber : | Dipl.-Ing. Oliver Baer |
| Inhalt Website : | www.baerentatze.de/files/sitemap.htm |
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