Soll sich der Designer an der Funktion orientieren, oder eine Form in die Welt setzen, die ihm behagt, weil sie stimmt, weil sie passt, auch wenn's mal nicht so praktisch ist, mit dem Ding umzugehen?
Soll er sich am Ladenpreis orientieren, oder an der erwartbaren Bereitschaft der Kunden, das Portemonnaie zu zücken? Soll er das Ding so bauen, dass keiner die Gebrauchsanweisung braucht?
"Das Messer nicht in Kindern lassen!"
Soll er die Kunden fragen, oder gar jene die zu Kunden würden, wenn ...? Oder nicht über die Schulter gucken und machen, was er für richtig hält?
Unternehmenskultur ist eine Designfrage: Wer sind wir, was haben wir im Markt zu suchen, wie sieht man uns da draußen? Ich-Findung ist eine spannende Sache, die Optionen des Designers kann man anprobieren wie neue Kleider.
Einen kuhlen Wüstensommer wünscht Ihnen Ihr
Oliver Baer
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Communities nennt man im Internet Kreise aus Menschen mit verwandten Interessen. So wie Briefmarkensammler, die sich um kleine Läden gruppierten, begegnen sich heute die Netzbürger zu jedem beliebigen Thema. Das reicht von der Wiederbebauung des Dresdner Altmarktes bis zur Linux-Programmierung, vom lokalen Klatsch bis zu globalen Bewegungen.
Den echten Gemeinden ist gemeinsam, dass sie aus der Initiative der Teilnehmer genährt werden. Plagiate sind die von Unternehmen in die Welt gesetzten Communities - beide segeln unter dem Begriff Community. Bei den echten sind kommerzielle Teilnehmer willkommen, ihr Sachverstand wird geschätzt, ihre Produkte werden in der Community kritisiert, und gekauft. Den unechten sieht man an, dass sie in der Welt ihrer kommerziellen Sponsoren dasselbe sind wie ihre alten Zielgruppen, unter neuer Flagge. Wie sich echte Communities gegenüber einem Kontakt suchenden Anbieter verhalten würden, kann demnach nicht aus den Gebräuchen der unechten Communities vorhergesagt werden.
Sie erinnern sich an den Tipping Point? Malcolm Gladwell unterschied drei Typen, die Vermittler, Kenner und Verkäufer. In verteilten Rollen verbreiten sie, was sinnigerweise als sozialer Virus bezeichnet wird. Das könne auch geplant ablaufen, schlug Gladwell vor, wobei er Communities beinahe verstanden hat. Er glaubt, Gemeinden könne man künstlich gründen und manipulieren. Aber so etwas gelingt nur ausnahmsweise, in der Regel kann man sich - in einer Koppelung aus Fortune und Tüchtigkeit - in Vorgänge einklinken, die sowieso ablaufen. Dennoch stimmt etwas an Gladwell's Beobachtungen.
In Gladwell's Original: Connectors, Mavens, Sales People
Seine Vermittler sind die vielleicht reizvollste Gruppe. Ihr Beitrag wiegt wenig, aber mit ihrem Talent zum Small Talk sind sie die Meister der leichten Bindung. Klassisches Beispiel ist der Friseur. Deponieren Sie ein Gerücht bei ihm, er wird es verhundertfachen. Denn er reicht es Leuten weiter, die nichts gemeinsam haben als ihren Friseur. Das heißt, wem sie das Gerücht weiter reichen, der kannte es noch nicht.
Darauf fußt eine wundersame Analyse über die Verbreitung von Kreativität und Innovation innerhalb von Organisationen: Social Origins of Good Ideas, von Ronald S. Burt. Zur Verarbeitung von wertvoller Information komme es auf die Überbrückung geschlossener Kreise an, sagt er. Bekanntschaft und Gewohnheit verstärken sich gegenseitig, man hält sich normalerweise an die nächste Umgebung und so entstehen zwischen den Netzwerken strukturelle Löcher.
Den hier zitierten, leichter verdaulichen Artikel von Regina Mönch: Von Frisören lernen - Ein Befund der Netzwerktheorie: finden Sie für 1,50€ im Archiv der FAZ.
Mitarbeiter mit Brückenfunktion halten sich auf in den Schnittmengen sozialer Kreise, durch sie geschieht ein Austausch, wie ihn das schöpferische Treibhausklima im Unternehmen benötigt, oder das Vertrauensverhältnis des Kunden zum Unternehmen. Diese Brückenleute entsprechen den Kommunikatoren des Cluetrain-Manifestes, sie demontieren die Feuerwände zwischen den Welten der Abteilungen, der Unternehmen und der Kunden.
Alle wesentlichen Links finden Sie in meiner Quellensammlung Cluetrain-Manifest, darunter das Heftthema von brand eins im März 2000.
Gladwell's Vermittler plaudern, verlieren schnell den Faden, sie spinnen zuviele neue Garne an, das irritiert ihre weniger sanguinischen Mitmenschen. Aber ihnen ist zu verdanken, dass gesellige Wärme zwischen den Menschen entsteht und gedeiht. Die Sachlichkeit des Denkers schafft viel Licht und wenig Wärme, aber es ist nicht gut Lernen in der Kälte. So lästig das Geschwätz sein mag, darauf möchte die Gesellschaft mitunter verzichten, tut es aber nicht.
Im übrigen sind es die Vermittler, die rufen "Das müsst Ihr gesehen haben!" Erst dann kommen die Kenner zum Zuge, auf deren Urteil sich die Community verlässt: "Nein, dafür brauchste nix auszugeben. Sprich mit Ochsendung KG, die verstehen noch, wovon sie reden".
Als Gourmet wird ihnen Simonetta Carbonaros Aufsatz schmecken. Denn Sie beteiligen sich an der Entschleunigung, die unserer Kultur so gut tut. Slow Food ist kein Minderheitphänomen, es bildet die Gegenströmung im Zeitgeist ab, Tempo herauszunehmen ist schick, nicht geil. Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch andere Communities zum Thema "gut essen, gut leben" etablieren sich, unter Leuten die von Slow Food nie gehört haben. Was tun sie, außer Rezepte zu tauschen?
"Dazu gehören auch Produkte, aber eben: nicht nur. Während eCommerce-Anbieter ... oft nicht das müde Lächeln einer Kassiererin aufbrachten, verstanden die Communities, dass der Wert eines Netzwerks exponentiell mit der Mitgliederzahl wächst ... Das Netz ist sowohl Marktplatz wie Lebensraum. Wie unser Körper kann es nur als ganzes funktionieren, nicht in Form von Teilfunktionen." Die Netz-Kultur ähnelt der Slow-Kultur, daher die starke Anziehungkraft die sie füreinander haben.
Simonetta Carbonaro, in der GDI_Impuls Nr. 1.03, "Was ist Mehrwert für den Magen?", mit Christian Votava
Nach eigener Auskunft dirigiert die Henkel-Gruppe mittlerweile ein ausgefeiltes Netz an Websites und Plattformen, in denen sich der Konzern zu Gunsten der Inhalte zurück hält. Die Mitarbeiter reden per Telefon, Brief und Mail mit den Menschen in ihren Märkten. Nicht nur stimmt das die Kunden konsumfroh, Henkel bezieht einen Erkenntnisgewinn aus der Fülle der Fragen und Anregungen, die aus den Communities auf das Unternehmen zukommen, und sie gehen interessanterweise weit über das Thema Waschen und Reinigen hinaus (Zuhören muss man können). Henkels Zugewinn erscheint unplanbar, er wird mit verdächtigem Understatement beschrieben; ich vermute, dass er vorteilhaft zu versilbern sein wird.
Bericht in brand eins im Heft 5, Juni 2003: Guck mal, wer da spricht
Unter den Baumeistern galt schon die Weisheit: Die wichtigen Dinge spielen sich an den Rändern ab, dort wo verschiedene Oberflächen oder Materialien aufeinander treffen oder ineinander übergehen. Ähnlich spielt sich alles Substanzielle in den Beziehungen zwischen uns und den Kunden, zwischen uns und den Kollegen - Streit eingeschlossen, und Versöhnung - in Randzonen und Schnittmengen sozialer Kreise ab. In der Mitte des Teiches ist gut quaken, was der Standpunkt wert ist, erweist sich am Ufer.
Was fängt man praktisch damit an? Sie können den Kontakt mit Communities wagen, Sie müsssen sie erst einmal finden. Sie können Ihre Zielgruppen - Abstraktionen aus Ihrer Wunschperspektive - präziser fassen, indem sie die Überschneidung mit Communities ermitteln, oder sie können auf Zielgruppen vollends verzichten, nur noch auf die für Sie passenden Communities eingehen. Sie können mit den Kennern ernsthaft diskutieren und den Vermittlern Respekt erweisen. Das Internet ist das Medium und das Werkzeug, der Ort und das Verfahren, derlei auszuprobieren und zu verbessern, beispielsweise die ersten Schritte. Netzbürger mögen das, sie finden es sympathisch, Kollegen wie renommierte Anbieter beim Lernen zu beobachten. Das schweißt zusammen.
Hier klicken zum Unterschied zwischen Community und Zielgruppe
C. K. Prahalad, der vor zehn Jahren noch den Unternehmen zur Innenschau und zur Identifikation ihrer "Kernkompetenzen" riet, spricht heute von einer "kopernikanischen Revolution", die zu radikalem Umdenken zwinge. Die Firmen sollten jetzt vielmehr nach außen schauen, um herauszufinden, wie sie von ihren Kunden wahrgenommen werden. Die Fähigkeit der Kunden, das Internet zu nutzen, sei die größte Herausforderung, der moderne Manager gegenüberstünden. "Die Kunden werden die treibende Kraft sein", zitiert ChangeX den Professor.
Lesen statt dösen: "Kunde der Zukunft - was man unbedingt lesen sollte", von Dagmar Deckstein in ChangeX.
Falls Ihnen vor den ersten Schritten graut, es gibt ein ganz entzückendes Verfahren mit dem Sie ein hinreichend repräsentatives Bild bekommen, was in den Köpfen und Herzen Ihrer Kunden vorgeht. Als Prinzip geschickten Marketings kennen Sie Storytelling, nun ist der Kunde dran, Sie lassen ihn Geschichten erzählen, Sie begreifen, was er meint, nicht nur was er sagt. Das tut Storylistening, raffiniert und einfach. Alles wichtige in Kürze finden Sie in unserem Interview mit Prof. Franz Liebl.
Das Interview mit dem Erfinder von Storylistening finden Sie beim Kollegen Jochen Scheel: www.uncooked.de
Storylistening lässt uns entdecken, was in der herkömmlichen Marktforschung nur mühsam abgefragt wird, schon weil es so schwer zählbar ist. In Ihren Netzgesprächen können Sie dann bei den Analysergebnissen anknüpfen. Denkbar ist eine Erweiterung des Storylistenings, sie wäre den Versuch wert: Sie setzen Storylistening sozusagen in einer Fußgängerversion fort, durch Ihre Verkäufer, im Callcenter, im Internet.
Auf diesem Wege verwirklichen Sie, was im Cluetrain-Manifest schon beschrieben, als selbstverständlich kritisiert und dann doch nicht verwirklicht wurde: Die wichtigsten Mitarbeiter sind die Redakteure und die Gesprächsfähigen in Ihrem Hause.
Die Kollegen und ich erklären Ihnen gerne, wie das alls funktionieren soll, ohne die wesentlichen Standorte gegeneinander auszuspielen: Telefon 0700 oliverbaer
(ob)
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~Was kümmert es den Marketingfritzen, ob Englisch das Deutsche verdrängt? Nichts, diesen Kopf lässt er sich von anderen zerbrechen.
Das heißt, eines dürfte ihn schon kümmern: Dass er sich nicht zum Affen macht. Da draußen sitzt ein schadenfreudiges Publikum, das kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Einige können nämlich wirklich Englisch. So wird usner Protagonist das Denglischgehabe von alleine einstellen, es muss ihm nur mal gesteckt werden, dass er das meiste falsch ausspricht. Beispielsweise Editor wird auf der ersten Silbe betont, Intimacy übrigens auch. Na ja, makes nothing ...
Lächerlich macht sich der Wortführer allerdings auch ohne Fremdsprache, mit harmlosen (sollte man meinen!) Fachbegriffen. Hören Sie beispielsweise mal einem Solarfachmann zu, er wird - jede Wette - mindestens dreimal Verschattung sagen. Das muss er, das meint er zu müssen, statt zu sagen wie es ist:
So gehört am 15. Mai im Deutschlandfunk, Journal am Vormittag.
"Gnä' Frau, in fünf Jahren stehen diese Fichten vom Nachbarn so hoch, da is es aus mit der Sonne auf Ihrem Dach. Da leg ich Ihnen keine Kollektoren drauf."
Verschattung unterstellt seitens der Fichten eine Handlung: Sie stehen keineswegs nur herum, sie werfen Schatten! Ja, und die Regierung, was tut sie? Nichts tut sie.
Also, ob Denglisch oder Fachchinesisch: Glauben Sie etwa jedes Wort, auch was sie von sich geben? Ist Ihnen aufgefallen wie gespannt die Leute zuhören, wenn ein saftiges Wort fällt? Tschulligung, wollte sagen: ... zur Anwendung gelangt?
(ob)
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~Das genaue Gegenteil von Spam ist RSS. Wo Spam die Krönung des Push-Prinzips im Marketing ist, fußt RSS auf der freiwilligen Zuwendung des Kunden zum Anbieter. Dieses lupenreine Pull-Marketing mit dem nach Motorrad riechenden Kürzel könnte das Marketing auf den Kopf stellen. Und sei es nur das Marketing in Leitmilieus.
Spam = eMails, zu deren Versand der Empfänger nicht aufgefordert hat.
RSS = ein System zur Abholung von Informations-Titelzeilen
Laien stellen sich RSS bitte so vor: Otto Ochsendung sagt einer kleinen Software: Hör zu, du Blödmann, ich will erstens meine Ruhe, zweitens sollst du mich aber doch stören, nämlich sobald und nur dann, wenn der ADAC Reifentests veröffentlicht, wenn die Community der ex Siemens-Kollegen was über Abfindungen bringt, wenn Emmanuelle Béart vom Playboy abgelichtet wird oder wenn mein Ökohof frische Schlachtwurst im Hofladen anbietet. Ansonsten, halt's Maul, Ende der Durchsage.
Der Feedreader besucht im Auftrag des Netzbenutzers die RSS-Feeds.
Das notwendige Pendant zu Ochsendungs Feedreader ist der RSS-Feed, den der Anbieter auf seiner Website einrichtet. Bei ihm erkundigen sich die fleißigen Feedreader gemäß ihrer Stichwortliste, ob's etwas Neues gibt und sammeln die entsprechenden Schlagzeilen ein.
Michael Charlier hatte RSS-Feeds hier bereits vorgestellt. Fach-Enthusiasten finden nun auch in der c't Nr. 12 Material, und Charlier setzt seine Experimente zum RSS fort.
Warum das ganze, Sie warten eh schon auf die Besucher Ihrer Website? Überhaupt ist die Sache mit dem Web nicht, was Sie sich davon versprochen haben? Richtig, die Leute kommen nicht, zu selten, zu spät, oder es kommen nicht die Richtigen. Aber gerade die kämen gerne, wenn sie wüssten was sie versäumen.
RSS dreht das Marketing um 180 Grad. Allerdings müssen Sie Otto Ochsendung das Motiv geben, warum er seinen Blödmann vorbeischicken sollte - das könnte Neuigkeit sein, Unterhaltung, Beziehungspflege - Tricksen wäre ungeschickt, sonst programmiert Otto seinen Feedreader um.
Das lohnt sich nicht, sagen Sie? Ihre Attraktionen kommen in Häppchen, unregelmäßig, mit Pausen dazwischen? Gerade dann bietet RSS das bisher fehlende Kopplungsglied. Wer sowieso treue Wiederbesucher anlockt, wie Spiegel-Online, braucht kein diskretes Erinnerungsinstrument. Wer aber unregelmäßig besucht und wer unregelmäßig veröffentlicht, minimiert seinen Aufwand und trifft zielsicher auf den gewünschten Inhalt, die richtige Klientele.
Entstanden ist RSS für die Bedürfnisse der Webloggers (Bloggers); ein typisches Beispiel ist Schockwellenreiter.
Die attraktivsten Besuchsanlässe dürften aus Community Care, Beziehungspflege, Kundenbindung entstehen. Das ist der Bereich, in dem enttäuschende Resultate durch ein Übermaß an CRM, Spam, und ihre Zielgruppen verfehlende Newsletter kompensiert werden, mit dem Ergebnis, dass die Zielgruppe abstumpft und verärgert wird.
.Zielgruppen, die klassischerweise nur auf massives Bombardement reagieren, kommen für RSS weniger in Frage. Die Leitmilieus werden aber zugreifen, sobald sich das System herumspricht. Warum kommen Sie nicht Ihren Kunden entgegen, bieten Sie Hilfe beim Einrichten des Feedreaders an!
In diesem frühen Entwicklungsstadium der RSS-Technik mag das eine oder andere Detail unklar sein, aber wir erläutern Ihnen gerne, wie Sie sich profilieren und Ihr Marketing wesentlich vereinfachen. (ob)
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~
Charlier lässt sich diesmal entschuldigen, er habe die Schlüssel zum Büro verlegt. Wahrscheinlich aber hat er zu viel zu tun.
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~Martha Meisegeier wird dereinst einen Teil ihrer Rente aus Kapitallebensversicherung beziehen. Dieser Teil ist sicher, so viel steht fest.
Deswegen beirrt sie zunächst nicht, wenn die Versicherer, wie neuerdings üblich, nicht wegen ihrer Fähigkeit, Gewinne zu machen, sondern wegen ihrer Probleme mit Bilanzen oder wegen nicht bestandener Stresstests in die Schlagzeilen geraten.
Dafür gibt es ja das Internet, da findet man beispielsweise diesen Kommentar zum Stresstest und Bewertungen, die allerdings Marthas Sorge nicht restlos zerstreuen. Sie sucht daher die Website ihres Versicherers auf, und findet dort: Nichts.
Worum es beim Stresstest der BaFIN geht, erklärt Ihr Finanzdienstleister besser, hier geht es um das Marketing.
Das ist ein bemerkenswerter Fund.
In nahezu vollständiger Einmütigkeit vermeiden die Testdurchrassler das Wort Stresstest. Ein Hinweis auf BaFIN findet sich hier und da im Impressum der Versicherer. Diese Behörde vermittelt unserer Martha das Empfinden, da passte jemand auf, damit ihr Versicherer nichts anstellt was beispielsweise an die jüngsten Fälle von Managermaßlosigkeit und Klickenkorruption erinnern könnte.
Dass ihr Versicherer sie als Netzbürgerin beleidigt, stimmt sie unfroh. Das mindeste wäre ein Hinweis gewesen: "Lieber Kunde, der Stresstest bewertet leider nicht, wie gut wir vorgesorgt haben ..." usw.
Beim Durchsuchen der Website nach dem Stresstest-Thema fällt Martha auf: Die Darstellung ihres Versicherer im Web hat die Grenze zum Peinlichen mit einiger Schneidigkeit überschritten. Sie wird ihn nicht mehr loben, die Nachbarn könnten ja auf die Idee kommen, die Website zu besuchen.
Offensichtlich liest kein Versicherer seine eigene Website. Oder etwa doch?
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~Auf den ersten Blick bedient das Magazin NOVO den Geist wie eine kalte Dusche den Körper. Peter Handke bescheinigt Novo: "Sie machen eine unglaublich tapfere und sogleich so angenehm unpolemische, klare Zeitung."
Bei der Klarheit einverstanden, aber nach dem zweiten oder dritten Artikel ist mir wie beim Spiegel jeden Montag: der Ansatz lässt hoffen, mit der versprochenen Substanz wird kokettiert und provoziert, dazwichen gibt's ein paar Streiflichter echten Geistes. Novo bringt einen gefällig verpackten Neoliberalismus, der hinter konzilianten Formulierungen ebenso viel Dogma transportiert wie die alternativ bewegte Szene, auf die das Magazin so enthusiastisch einprügelt.
Es muss aber nicht alles, was sich flachen Linealen schwer anlegen lässt, gleich in einem esoterischen Sumpf verortet werden. Kritik hat sich die esoterische Szene wahrhaftig verdient, die bringt brand eins aber mit mehr Gelassenheit. Magazine und Foren zum freien Denken, etwa zum Umgang der Stakeholder miteinander, könnten wir noch gebrauchen, auf Problemfelder, oder Lebenswelten oder andere Nischen spezialisiert. Dort weiter machen, wo brand eins eine Lücke lässt, das könnte lohnen. Novo zu lesen lohnt nicht. Überzeugen Sie sich selbst: www.novo-magazin.de, Probeheft muss bezahlt werden.
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~Keinen Pfennig zusätzlichen Umsatz bringt ein Newsletter im Internet. Das stimmt möglicherweise, gucken wir mal:
"Für Soli fer ist der Sonnenfleck eigentlich ein Luxus." (Chef, im Januar)
"Wir sind echt stolz auf unseren Rundbrief." (Außendienstler, im März)
"... eine gute Mischung: informativ, nachdenklich, aufheiternd, professionell und intelligent." (Leser, im Mai)
"Da tut sich was." (Chef im Juni)
Stimmt, der Rundbrief Sonnenfleck dient der Kundenpflege. Und der Anbahnung. Und dem Betriebsklima. Und der Repositionierung im Markt für Solarwärme-Anlagen.
Falls Sie so etwas organisch, preiswert, effektiv bewirken möchten, hier finden Sie weiteres Leserecho zum Sonnenfleck und den Kontakt zu Oliver Baer.
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~"... damit werden zentrale Eckpfeiler der Tarifautonomie weggerissen."
Jeder spricht, wie er's versteht. Falls Sprache mehr bewirken soll als das Bewegen von Luftmolekülen im erhitzten Zustand, also beispielsweise einen Gedanken in Wortform verfügbar zu machen, wüsste man jetzt: Wer so spricht, hört sich nicht zu.
Recht hat er.
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~Ich suchte unseren Experten, da gab es eine Fachfrage mit ihm abzutschäcken. Unter den Himbeeren fand ich ihn, dort genießt er den totalen Überblick, bei optimaler Abschirmung vor Markteinflüssen wie Sonne, Wind, Regen.
Marketing ist der Umgang des Unternehmens mit einem Universum, das es selber geschaffen hat und für die Wirklichkeit hält. (Tom Matrullo, in der Cluetrain-Diskussionsliste)
"Spottolski, möchtest du was dazulernen?"
"Immer. Wenn sich das im Liegen machen lässt."
"Es geht um Community Care."
"Die kommen sowieso."
"Die Kunden?"
"Die Kollegen. Die hier immer Stunk machen."
"was würde das mit Community Care zu tun haben?"
"Wo die Kollegen sind, bin ich. Wo ich bin, ist oben. Nach oben wollen alle und ich bin schon da."
"Und die Miezen, deine Kunden?"
"Die bekehre ich nachts. Push-Marketing 1:1, da bleibt kein Auge trocken."
"Spottolski, du wirst ordinär."
"Ich habe meine Kunden geliebt, sagt Davidoff. Du zitierst ihn immer."
"Damit wollte er sagen, er habe sich um seine Kunden gekümmert, und sie nicht mit Marketing gepiesackt."
"Siehste, und ich liebe sogar die Mäuse. Sie vermehren sich, ich sorge dafür, dass ihnen der Spaß nicht vergeht."
"Und die Community Care ..."
".. besteht darin, dass ich den Kollegen erläutere was sie in meinem Revier verloren haben."
"Davon haben die Miezen aber nichts."
"Wieso? Die Miezen amüsieren sich vorzüglich, die Kollegen kriegen einen vor den Latz, und ich bleibe fit."
"Dazu lernen ..."
"... kannste vergessen. Wenn einer was will, soll er eine Emil schicken, oder wie das heißt. Momentan ziehe ich es vor, energisch herum zu liegen."
"Das gelingt dir."
"Kommjunniti Kähr liegt mir im Blut!"
Als ich mich davon machte, meinte ich ein Murmeln zu hören: "Kommjunniti, die fehlte mir gerade ..."
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Zigtausend Beschwerdebriefe hat die Bahn angehäuft. So viel Kundenzuwendung kann man für Geld nicht kaufen: Alles potenzielle Netzkartenkäufer, auf Lebenszeit!
Nur nicht bei dieser Bahn.
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| Deutsche Bibliothek : | ISSN 1619-7909 (Web-Ausgabe) |
| Jahrgang/Ausgabe/Datum : | 5 / 4 / 16. Juni 2003 |
| Frequenz / Preis : | zehnmal pro Jahr / gratis |
| Herausgeber : | Dipl.-Ing. Oliver Baer |
| Inhalt Website : | www.baerentatze.de/files/sitemap.htm |
| Impressum nach $6 TDG : | www.baerentatze.de/files/impress.htm |