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baerentatze

März 2004

Der wirklichkeitsnahe Rundbrief zur Praxis und Ethik des Marketings

Inhalt dieser Ausgabe

Kommentar

Thema

Charliers Depeschen aus Digitalien

Leser, Kollegen, Wettbewerber

Spottolski

Gegen den Strich gekämmt


Kommentar

Liebe Freunde der baerentatze,

 

Kam die Hausärztin ans Krankenbett, haben wir Kinder uns in den Kissen aufgerichtet. Frau Dr. Hirschmann hatte so eine Art zu sagen: "So krank biste nicht!" Keiner mochte sich vor der alten Dame blamieren, die mit ihrer schweren Tasche ins Haus gehumpelt kam? Da ging es einem besser, bevor schon die Pillen aus der Apotheke eingeholt waren.

Diese Bilder kehren wieder, da jetzt eine - ziemlich unverdächtige - Schulwissenschaft den Placebos auf die Schliche kommt. Und die Parallele drängt sich auf: Was tun wir eigentlich als Berater von Unternehmen, die zur Gesundung ein besseres Marketing wünschen?

Neu ist in dieser Ausgabe auch, dass wir der Aufforderung nachkommen: "Sagt, was eure Beiträge mit eurer Arbeit zu schaffen haben!" Das trifft sich gut. Beispielsweise fand Kollege Charlier einen Kunden, mit dem sich Pferde, nun ja, in diesem Falle - bewachen ließen. Die Polizei Nordrhein-Westfalens wollte das ungewöhnliche, Charlier lieferte es, die Zusammenarbeit machte Freude und das Ergebnis, ein vollkommen barrierefreier Zugang zum Portal der Polizei, ist durchaus unüblich. Und wurde mit der einzigen Goldenen Biene honoriert, welche die Jury vergeben mochte.

Falls Ihre Website bereits auf jedem Westentaschencomputer zu lesen ist, wissen Sie, worüber wir uns freuen.

Wieso Goldene Biene?
Barrierefreies Internet Eröffnet Neue Einsichten auch jenen, denen Barrierefreiheit nichts sagt.

Ihr Oliver Baer

 

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Thema


Ersetzen Marketing-Placebos
teure Beratungs-Chemie?

"Scheinmedikamente täuschen dem Körper eine Wirkung vor, die sie eigentlich nicht haben dürften." schrieb der Spiegel: Placebos lähmen das Gehirn.

"eigentlich" =
"im wirklichen Sinne"?

Placebos verändern etwas im Gehirn; sind sind also kein Humbug. Ähnlich den harten Pharmaka, wirken sie nicht immer und bei jedem auf gleiche Weise, aber billiger und mit überschaubaren, freundlichen Nebenwirkungen. Da fragt man sich, was in der Heilbehandlung "eigentlich" geschieht, und ob ähnliches für die Marketingberatung gälte.

Technokrat und Hausarzt

Der Marketingberater vom Typ Technokrat fischt aus dem Werkzeugkasten ein Verfahren, das seiner Diagnose entgegen kommt. Notfalls biegt er seine Diagnose zurecht, dazu gibt es Checklisten, und seine Leistung sieht ganz maßgerecht aus. Wie in der krankenkassen-gesteuerten Medizin, da soll nach einer schematisierten Diagnose die Behandlung aus dem Automaten purzeln - binnen 12 Minuten, wenn's geht, sonst kann der Arzt sehen, wo seine Kostendeckung bleibt.

Der Berater befummelt das Problem, bis es mit seiner Lösung etwas zu tun hat.

Dieses Verfahren gelingt, wo es genügt: Der Auftraggeber bekommt, was er bezahlt, nicht unbedingt was er braucht. Große Unternehmen wechseln daher von Fall zu Fall ihre Berater, kleinere verzichten schon vorher. Recht haben sie.

Anders der Typ Hausarzt. Für ihn ist das Symptom, das er anderswo schon beobachtet hat, jedes mal etwas einmaliges. Mag es typisch aussehen, das Problem ist nur ähnlich, nicht dasselbe. Für diesen Beratertyp ist der Kunde kein Pillenschlitz, wo er seine Software einwirft, samt kostspieliger Implementierung.

Die Heilung beruht auf der Biografie des Patienten. Sie wächst aus der Beziehung zwischen Berater und Kunden.

Dieser Berater ermuntert den Kunden, seine eigenen Kräfte zu wecken. Placebos unterstützen diesen Prozess im Gehirn, ersetzen ihn aber nicht. Sie bieten der Psyche das Geländer, an dem sie sich festhält. Leisten kann der Berater dieses Typs aber nicht mehr als der Kunde zulässt. Wer das Leben mechanistisch sieht, dem schmeckt diese klassische Auffassung von Medizin nicht.

Herr Doktor, Sie müssen mich reparieren!

Die Nagelprobe

Wo sich der Berater auf das Syndrom seines Kunden einlässt, indem er daran mitwirkt zu verwirklichen, was er an Gedanken einbringt, stellt sich schnell heraus, was "eigentlich" jeder weiß: Auch er sieht nicht in die Zukunft und schon gar nicht, wie viel der Kunde lieber bedient werden möchte. Selbst im besten Fall werden er und der Kunde außer guten auch schlechte Entscheidungen aushecken und erst beim Machen merken, wie wirklich die Wirklichkeit ist.

Wo die Beratung als Alibi dient, nützt die Nagelprobe nichts.

Da Fehler zum Veränderungsprozess gehören, liegt der Wert der Zusammenarbeit darin, wie die Beteiligten mit den Fehlern umgehen. Passen sie sich an, und wie flott? Oder glauben sie an Wunder, bleiben sie stur? Halten Berater und Kunde zusammen, werden Schuldige gefunden und gekreuzigt? Wächst der Geist des Unternehmens am Gelernten, oder verkümmert er an der Ideologie?

Mühsal vs. Kultur

Große Unternehmen ersparen sich derlei Mühsal: Sie passen die Welt ihren Vorstellungen an, ihr Marketing wendet sich an ein Universum, das sie selbst geschaffen haben. Vertrackterweise gelingt dieser Kniff, man kann eine erdachte Wirklichkeit so bedienen, dass sich die Macher auf die Schulter klopfen: Siehste, musst halt nur genug Geld auf das Problem werfen, dann verzieht es sich!

Ist zwar alles Talmi, "sieht aber ganz viel echt aus", wie sie in Luxemburg sagen.

Und schafft dafür ein anderes, aber die Großen lesen hier eh nicht mit, deshalb bleiben wir bei der kleinen Variante: Für ein Marketing, das aus eigenen Ressourcen schöpft, muss - statt in die Werbung - in das Klima des eigenen Hauses investiert werden: Das kostet Zeit, Aufmerksamkeit, Redlichkeit, auch etwas Geld. Da arbeiten Arzt und Patient bereits vorbeugend zusammen, und sie bedienen sich der Phantasie als Placebo. Woran erkennt man beratende Ärzte dieser Denkschule? Beispielsweise an einem Auftritt im Web, wie ihn die Kollegen von der Trade Group soeben neu vorgestellt haben.

Den Ausgangspunkt wählt aber der Kunde: Unterhalten wir uns über die Krankheit oder entwickeln wir die Gesundheit?  (ob)

Chemie nicht zum Einwerfen, sondern zum selbst Herstellen

 

Eine "Exekutive Beratung" dieser Denkschule bezieht Soli fer Solardach GmbH (für die wir auch den Rundbrief Sonnenfleck schreiben). Zu den Nebenwirkungen zählen Solidarität, Dienstbereitschaft über den vereinbarten Rahmen hinaus, geteilte Freude an Erfolgen und ein, zwei Dinge mehr. Fragen Sie den Chef, Dipl.-Ing. Timo Leukefeld, Telefon 03731 69 21 00

 

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Über den Fluss gesetzt

Gibt es eine richtige Übersetzung, gibt es mehrere? Den Kenner ärgern sogar Fachwörterbücher: "Den Begriff kenne ich aber ganz anders!" Am Beispiel eines zweisprachigen Magazins aus der Welt des Corporate Publishing erörtern wir die Freuden des Auswählens.

Mit einer englischen Zusammenfassung neben jedem deutschen Artikel richtet sich dieses Magazin an den englischkundigen Deutschen sowie an den muttersprachlichen Angelsachsen. Beiden signalisiert die Übersetzung Routine auf der internationalen Bühne - das zählt zum Image einer Nachfolgefirma der Expo 2000: Ja, wir sind deutsch, penibel, zuverlässig, und was man uns noch so nachsagt.

ober_fläche,
Magazin zur Erbauung

Aber das ist nicht alles, und die Übersetzung bot die Chance, zwischen den Zeilen zwei Vorurteile gegen den Strich zu bürsten. Mit uns kann man, nun ja, keine Pferde stehlen, aber reden kann man mit uns, probieren Sie's mal. Und: Wir sind nicht kleinlich, wir gönnen dem Leser ein Lächeln auf unsere Kosten!

Dem deutschen Leser war des weiteren zu signalisieren: Wir wollen nicht imponieren, wir möchten euch im Boot, mitsamt Gepäck. Auf geschraubte Sprache verzichten wir, unser Englisch versteht auch, wer Cambridge nicht kennt.

Das ist einer von vielen Kompromissen zwischen Hoch- und Umgangssprache, Fach- und Salonsprache. Welchen es wählt, entscheidet der Auftrag an das Magazin: Was soll das Gedruckte für das Marketing leisten? Dafür gibt es mehrere Lösungen, jede setzt über den Fluss, nicht bei jeder bleibt das Auge trocken.   (ob)

 

Als Verfasser von englischen Texten war Baer tätig für ober_fläche, Magazin zur Erbauung, das von den Kollegen der Trade Group, Hannover, verantwortet und gestaltet wird. Der Geschäftszweck des Kunden gruppiert sich um die übrig gebliebenen Pavillons im Expo-Park - Sie erinnern sich vielleicht noch an den wundervollen, tschechischen - sowie die freien Flächen für vielleicht auch Ihren neuen Standort. Das avantgardistische Magazin bestellen Sie kostenlos online beim Auftraggeber, der Expo Grund GmbH in Hannover.

Die Glosse schrieb Spottolski, anonym, auf deutsch.

 

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Charliers Depeschen aus Digitalien

 

Rückkehr nach Digitalien

Nach mehrwöchigem Kampf mit schwergewichtigen Kisten, leichtflüchtigen Staubwolken und klebrighaftenden Farben bringt die Rückkehr nach Digitalien doch ein großes Aufatmen: Alles so schwerelos hier, und das neu installierte W-Lan hat auch noch mit dem Kabelverhau aufgeräumt. Der Laptop findet jetzt ganz ohne jeden Draht ins WWW - ein kleines Stück von der großen Freiheit?

Heimkehr: Charlier ist wieder Berliner

Überdies bringt der Umzug vom überaus ruhigen Essener Bredeney in die Berliner City bemerkenswerte Einsichten in die Funktion des Internets als Mittel, Angebot und Nachfrage zusammenzuführen, und das kommt so: Die Gegend um den Kurfürstendamm ist mit 5000 Einwohnern pro km² so hoch verdichtet, daß jeder Straßenblock etwa einen Supermarkt, zwei Bäcker, drei Frisöre, vier Gaststätten und weiß ich was noch alles in Betrieb hält. Eine Websuche nach Steuerberatern in 10 Gehminuten Entfernung listete 113 Namen.

Und hier wird die Sache spannend. Für den ersten Eindruck bei den Frisören reicht der Blick ins Schaufenster, bei den Restaurants auf die ausgehängte Speisenkarte; Supermärkte sortieren sich anhand der Marke (Aldi oder Kaisers). Aber selbst wenn man 113 Nachbarn ablaufen wollte: Steuerberater (Rechtsanwälte, Ärzte) haben keine Schaufenster, und ob sich das Kanzleischild in Emaille, einfach oder Messing, frisch geputzt darstellt, ist nicht wirklich ein Kriterium.

Die Schrippen schmecken, wie sie aussehen. Bei den Kanzleigehilfen könnte man sich irren.

Da schaut das geplagte Auge, ob neben der Adresse in Realien vielleicht eine Webadresse steht. Die "ohne" sind gleich aus dem Rennen, und bei denen "mit" folgt die Auswertung des Web-Schaufensters exakt dem Muster, das für die Schaufenster gilt: Einen flüchtigen Blick im Vorübergehen, mehr hat der Passant für die Sichtung der Angebote im Verdichtungsgebiet nicht übrig.

Ich geb' es ungern zu, aber auf den eigentlichen "Content", der - ich sag das auch immer wieder - der König im Webgeschäft sein soll, ist in diesem Fall kaum die Rede. Von der oft als Gegenentwurf empfohlenen "Web-Visitenkarte" freilich auch nicht. Tatsächlich trifft "Schaufenster" wohl noch am besten:

Kunde will im Vorübergehen mühelos sehen, ob da einer für ihn und seine Situation der richtige sein könnte. Es geht (noch) nicht um Information, es geht um Signale. Erst wenn die stimmen, kommt der Content in Betracht. Sind die Signale stark genug und übermitteln den richtigen Impuls, wird er gar nicht mehr benötigt.

Content = Inhalt (falls Sie es vergessen haben)

Der Witz bei alledem ist nun, daß "Verdichtungsgebiet" in diesem Sinne nicht nur die Innenstädte darstellen. Zusammen mit den Suchmaschinen bildet das Internet ein wahrhaft riesiges Verdichtungsgebiet - Suchbegriff eingeben, und schon öffnet sich in der chaotisch unstrukturierten Masse eine Straße, da liegt ein Laden neben dem anderen. Wer dem flüchtigsten Blick nicht das richtige Schaufenster zeigt, hat schnell ein Geschäft verpasst.

Anders als bei Steuerberatern oder Ärzten spielt für viele Angebote der räumliche Zusammenhang in der wirklichen Welt nur eine untergeordnete Rolle: Ob sich der Wiesbadener Interessent seine marmorne Kaminverkleidung aus dem Badischen oder aus dem Sauerland kommen läßt, ist so entscheidend nicht. Da hängt schon viel vom Schaufenster ab, wenn beide in der digitalen Kaminbauerstraße nebeneinander zu stehen kommen. Und das, puh, gerade noch die Kurve geschafft, kann wesentlich mit dem Content zu tun haben. Aber das ist eine andere Baustelle. Hauptsache digital und daher staubfrei.  (mc)

"Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit ..."

 

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Keinen Aussperren!

Für den Spiegel war die Vorstellung des barrierefreien Online-Service der Polizei NRW auf der CeBIT natürlich vor allem Anlass, das Haar in der Suppe zu finden: Wenn der Weg des Bürgers zur Polizei dermaßen erleichtert werde, würden die Beamten und später die Gerichte mit der Arbeit überhaupt nicht mehr fertig. Die Polizeigewerkschaft sekundierte: Schon jetzt fehlten im Lande mehr als 5000 Polizisten.

Das ist die Website, die von Charlier barrierefrei gemacht wurde. Das Layout stand vorher fest.

Überlastung ist aber kein hinlänglicher Grund, dem Hauptmotiv von eGovernment (das, nebenbei bemerkt, dem Hauptmotiv von eBusiness zum Verwechseln ähnlich sieht) überhaupt keine Beachtung zu schenken. Es geht doch darum, Bürgern (Kunden) per Internet den Weg zu Angeboten und Leistungen zu erleichtern. Das liegt im Interesse dessen, der etwas anbietet, ebenso wie im Interesse dessen, der es haben oder nutzen will. Und das nicht nur zur Steigerung der Zahlen für Umsatz oder bearbeitete Fälle: Digital angestoßene Prozesse lassen sich - sinnreiche Gestaltung des Backends vorausgesetzt - ohne zusätzliche Arbeit vorsortieren und bis zu einem gewissen Grad auch weiterverarbeiten. Auch bei der Polizei, wo Beschwerden, Anzeigen und andere Bürgerbegehren aus den mehr als 400 Gemeinden des Landes jetzt automatisch an den zuständigen von derzeit etwa 50 Polizeibezirken weitergeleitet werden.

Backend = was an der Website nicht sichtbar, sozusagen dahinter vorgeht.

Das Neue am Online-Service der Polizei NRW ist nun die weitgehende Barrierefreiheit des Angebots. Soll heißen: Die Seite ist so eingerichtet, daß der Inhalt auch für Menschen zugänglich ist, die durch eine körperliche Behinderung (z.B. Blindheit) oder geringe Netz-Kompetenz Probleme haben könnten - und trotzdem sieht die Seite überhaupt nicht nach "Gesundheitsamt" aus. Dafür wurde der bereits im Herbst online gestellte allgemeine Teil des Polizeiportals im vergangenen Dezember mit dem goldenen Award eines von "Aktion Mensch" und der "Stiftung digitale Chancen" ausgeschriebenen Wettbewerbs ausgezeichnet: BIENE - Barrierefreies Internet Eröffnet Neue Einsichten.

Es war die einzige "goldene Biene", die bei über 170 Teilnehmern verliehen wurde; in der Kategorie "eBusiness" sah die Situation so traurig aus, daß überhaupt kein Preis zu vergeben war.

Anscheinend denken immer noch viele kommerzielle Anbieter, daß sie auf Behinderte und Web-Unerfahrene unter den potentiellen Kunden leicht verzichten könnten, und vielleicht können sie sich das tatsächlich leisten. Aber was ist in einer schnell alternden Gesellschaft mit den vielen Menschen, deren Sehkraft Jahr um Jahr schwächer wird und deren Feinmotorik immer weniger ausreicht, feinziselierte Menus mit dem Mauszeiger anzusteuern? Überdies: Verbesserte Zugänglichkeit ist nicht nur menschenfreundlich, sondern hat auch technisch und nicht zuletzt auf der Kostenseite enorme Vorteile.

Der bereits im Herbst online gegangene allgemeine Teil des Polizeiportals NRW demonstriert, wie soll man das nennen, allgemeine Barrierefreiheit. Der jetzt im Frühjahr dazu gekommene Serviceteil zeigt darüberhinaus, wie sich auch interaktive Elemente zur Kommunikation zwischen Bürger und Behörde, Kunde und Anbieter, Mensch und Warenwirtschaftssystem so gestalten lassen, daß keiner ausgeschlossen wird.

Für Behörden wird das mehr und mehr zur Pflicht. Für Kommerzielle könnte sich das glatt zur Geschäftsidee entwickeln.  (mc)

"Wie man sieht, dass eine Website barrierefrei ist? Gar nicht. Das ist ja das Schöne!" sagte Guido Karl, Projektleiter “Polizei Online"

 

Den Preis hat die Polizei bezogen, die Biene gibt es beim Innenminister zu sehen (falls Sie dort mal hereinschauen möchten). Mit Fragen der Zugänglichkeit befasst sich Charlier länger als er Brillen trägt. Da auf diesem Gebiet so oft und herzhaft gesündigt wird, dürfte er viel zu tun bekommen: Webseiten vergrößern Ihre Reichweite

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Leser, Kollegen, Wettbewerber - Links


Beobachtungen und Hyperlinks

Noch etwas zur Medizin in der Beratung

"Narrative Medizin" wird eingeübt, indem der Student den Bericht eines Patienten mit eigenen Worten und ohne medizinische Fachbegriffe wiedergibt. Aus: "Zuhören als Lehrfach bei Mediziner-Ausbildung" in den USA, Spiegel Nr. 43, 2003; inzwischen auf Spiegel-Online nicht mehr erreichbar. Schreiben Sie mir, ich habe eine Kopie aufbewahrt.

Ärzte müssen das Zuhören irgendwann verlernt haben.

Wem das medizinische Bild übrigens nicht behagt: Die Segler einer Regatta halten nicht einfach auf das Ziel zu, sie richten sich nach dem Wind, korrigieren Kurs und Segelstellung, nicht ein-, zweimal, ständig sind sie auf dem Sprung. Selbst mit der teuersten Rennziege ist kein Blumentopf zu gewinnen, wenn die Crew nicht zupackt. Und fortwährend dazulernt.

Segeln für Dummies, von J. J. Isler, Peter Isler, gibt's als Taschenbuch, 312 Seiten, ISBN 3826630645.

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Internetkultur à la Howard Dean

Howard Dean, der ausgeschiedene Kandidat der Demokraten, hat nebenbei auch etwas für die Netzhygiene geleistet: Seine Abzockerkampagne über das Internet hat stabilisiert, was erhaltenswert ist, das Unterscheidungsvermögen der Netzbürger. Ein Haufen Leute sind ihm zwar auf den Leim gegangen - das ging zu wie zu Zeiten der Dotcom-Blase - viele rochen den Braten und haben nichts gespendet.

Das Internet pubertiert, ein mit Getöse verbundener Vorgang.

Dass der Netzgebrauch den Verstand nicht lahm legen muss, hat seine Kampagne geklärt, ohne Absicht, aber gründlich. Dieselbe Lektion erleben kommerzielle Anbieter im Internet, sie reden aber nicht darüber.

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Ganz Gallien ist erobert. Ganz Gallien?

Normalerweise hält die baerentatze nichts von Medienpreisen, schon weil wir noch keinen abgekriegt haben.

Neidlos machen wir hier eine Ausnahme: 1214 Top Entscheider aus Industrie, Werbung und Medien haben zwar den SPIEGEL erneut an die erste Stelle gesetzt, gleich dahinter plazierten sie aber das Wirtschaftsmagazin brand eins. In der Kategorie Wirtschaft steht brand eins sogar ganz vorne, vor dem Manager Magazin, vor der Wirtschaftswoche, Capital et al.

Erhältlich in allen seriösen Buchhandlungen, sprich Großstadt-Bahnhöfen der Republik; Abonnieren geht aber auch.

brand eins gilt auf unseren 1100 m² als eine Insel des gesunden Menschenverstandes. Manchmal könnte man ja meinen, es herrschte da draußen ein Kartell gegen den Verstand, für den Beton. Zehnmal im Jahr versichert uns brand eins: Es gibt es noch, dieses gallische Dorf ...

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Amerika schreibt recht deutsch

Was hierzulande aus der Rechtschreibung wird, bestimmen die folgenden nicht: Kulturminister, Experten, Duden, Medien, Schulen, Autoren. Richtig ist vielmehr, was im Spellchecker von Word® als richtig durchgeht. Peinlich: Software-Produkte aus Redmond sind selbst fehlerhaft, und als Sprachschöpfer im Deutschen bisher nur dumm aufgefallen.

Spellchecker = Rechtschreibprüfer

Nachdem durch die Rechtschreibreform die Torpfosten mal hier, mal dorthin verschoben wurden, sorgt Software für Klarheit im Regelwerk. Damit siegt zwar nicht der Geist, nicht einmal die Intelligenz, es setzt sich die Macht des täglichen Gebrauchs durch.

Der tägliche Gebrauch landet schließlich im DUDEN und Sprachpfleger verlieren ihre Wetten:"Siehste, hab ich doch gesagt!"

Um die deutsche Sprache kümmert sich mit gewohnter Hingebung ein Unternehmen, dem schon seine inländischen, amerikanischen Kunden schnuppe sind, sonst würde sich Microsoft nicht jedesmal bitten lassen, die Sicherheitslücken seiner Software gegen Schädlingsbefall zu schließen. Wir sind nur froh, dass mit unserer Gesundheitsreform nichts derartiges passieren kann.

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Mischen Stehtments, direkt vom Automaten

Den Traum aller Texter mit Schreibkrampf erfüllt Achimowitz alias Achim Schwarze: Sinnloses muss nicht länger der Mensch erdenken. Dazu gibt es den Spruchklopfomat, und der ist eine höchst anspruchsvolle Weiterentwicklung der früheren Phrasendreschmaschinen. Zum Beispiel:

Wir implementieren unsere proaktiven Wertschöpfungsstrategien um die Marktdurchdringung der antizyklischen Tendenzen zu realisieren.

Our Mission Statement = Öffentliche Erklärung unserer finsteren Absichten gegenüber den Kunden

Den Spruchklopfomaten verwenden Sie wahlweise vollautomatisch - für die Produktion des Ganz-Statements - oder Sie lassen sich Vorschläge machen für jede der sieben Satzkomponenten. Der Zufallsgenerator gibt sie einzeln her, sowie auf jeden Knopfdruck weitere Varianten.

Selbst Baer begriff binnen vier Sekunden, wie das geht.

Hier finden Sie die Textversion des Spruchklopfomats und hier die Audioversion, aber Vorsicht, letztere braucht lange Ladezeit!

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PR für Dummies

Als Unternehmer wissen Sie: Was nichts kostet, kann ich auch alleine! Sie sparen noch einen Batzen mehr, wenn Sie den web-basierten Dienst namens PR-O-MATIC! von der PR-Agentur Brightheads verwenden. Er verfertigt press releases, personalisiert mit Ihrem Namen, Produkt, Standort usw.. Das Ergebnis sieht ganz viel echt aus. Sie erproben diesen höchst kostenlosen Dienst im Browser mit dem Sie auch dieses lesen. Dazu die Agentur:

press release = auf die Presse losgelassene Produkte der Textverarbeitung, in der Hoffnung sie würden auch noch abgedruckt.

Falls Ihnen das Ergebnis nicht gefällt: Einfach nochmal klicken, und PR-O-Matic schreibt eine neue Version! Ohne zu widersprechen oder auch nur den Versuch einer Beratung zu machen - ja, so schön & flauschig kann der Umgang mit einer PR-Agentur sein! :-)

PR-O-MATIC gibt es seit 2003. Das erklärt, weshalb wir als Presseorgan mit - wie oben erwähnt - noch immer keinem Medienpreis am Rasierspiegel (liest hier eigentlich irgendwer mit?) eben solche Pressemitteilungen tatsächlich bekommen.

Werden sie, außer gedruckt, auch gelesen?.

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0700

Falls Sie Ihre 0700-Nummer im Web bekannt geben, dürfen Sie mit Ärger rechnen, wenn sie versäumen, den Anrufer auf die Kosten hinzuweisen: Siehe "Persönliche Rufnummern werden abgemahnt".

Sagen Sie einfach:
"Bei uns anzurufen, kostet irre was, aber weit weniger als eine 0190er Nummer!"

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Von drei Angeboten das billigste

Was hätte bloß das teuerste Angebot gekostet, wenn dieses schon das billigste war für die Arbeitsagentur, Sie wissen schon, Nürnberg. Ursprünglich nur zweistellig, sind die 100 Mio bereits überschritten.

Bundesweite Stellensuche - gab es die früher schon?.

Der normale Menschenverstand hätte schon angesagt, dass die Sache ab 10 Mio verdächtig wird. Beweis: Das Münchener Arbeitsamt war in eigener Initiative vorgeprescht und betrieb Stellenvermittlung im Internet. Aber die Münchner wurden zurück gepfiffen: erstens funktionierte ihr System, zweitens kostete es nur einen Bruchteil. Da könnte ja jeder kommen.

Der Menschenverstand, das ist der, mit dem man einen Kasten Bier besorgt.

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Image-Pflege. Welches Image?

Den Skandal um die Berliner Landesbank - im Zentrum ein Fonds mit hoher Zinsgarantie, der seinerzeit hauptsächlich Prominenten verkauft wurde und nun den Haushalt der bankrotten Stadt ausblutet - ist Gegenstand eines Theaterstücks, das hauptstädtisches Publikum in Scharen anzieht. Autor Hübner ist kein Freund von Zwischentönen: Erst läßt er die korrupten Anzugträger von einem Revolutionstribunal zum Tode verurteilen, und als das allzulang dauert, stürmen wilde Weiber herein, um den Prämien-Profiteuren benzingefüllte Autoreifen um den Hals zu legen.

Da gibt es Beifall auf offener Szene, und das nicht zu knapp. Aber keine Angst, alles wird gut: Die Amerikaner schicken ein polnisch-slovakisches NATO-Kontingent, das bereitet dem Spuk ein Ende. Gehstu selbst hin: Maxim-Gorkij-Theater in Berlin.

Mark Siemons in der FAZ: "Es ist wohl eher so, daß, solange Bühnen ihre Gefährlichkeit mit solchen Gesten zu zeigen versuchen, sich niemand ernsthaft ängstigen muß."

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Spottolski


Bewirkung der öffentlichen Wirkung

Wenn draußen der Schnee die Marktlücke bedeckt, wendet sich Spottolski, auf dem Ofen liegend, den Tiefsinnigkeiten des Marketings zu. Rechtzeitig zum Ende der CeBIT hat dieser Prozess seine Krönung in einem Satz gefunden, welche die Public Relations ein für alle mal erklärt:

Die PR-Formel lautet news * promi * N = bullshit

Darin stelle bullshit die Zähleinheit für den Nachrichtenwert der PR-Aktion dar, promi sei ja wohl klar, news sei die Äußerung schlechthin und N sei irgendnochwas, das mochte Spottolski nicht verraten, von irgendwas müsse er schließlich leben, also Herrschaftswissen. Ein Beispiel verdeutlicht den neuen Erkenntnisreichtum:

Für Frau Engelen-Kaefer gelte die Formel übrigens nicht, sagt er, die habe so Dingel-Dongels an den Ohren, edelgeil wär das.

Eine einzige öffentliche Äußerung von Kater Acka (das ist dieser braun gecheckte Mistkerl vom Wirt des Deutschen Hauses) erreicht einen Nachrichtenwert von 100 bullshit. Hingegen braucht es hundert Äußerungen seitens der halbstarken Kater (sogen. Mittelständler, beispielsweise aus Bretnig), um gemeinsam auf dieselbe Summe von 100 bullshit zu kommen. Statt Bretnig lies Gickelsberg, geht auch.

Ob ich das mitgekriegt habe, fragt Spottolski: Gemeinsam, fett gedruckt. Nichts gegen Acka, sagt er, einige seiner besten Freunde seien Ausländer.

"Kennzeichen des Großmotzes ist, dass er für die Katzenbevölkerung, unter größtem Beifall der Öffentlichkeit, nichts zu Wege bringt. Nichts, was Nährwert besäße."

Lediglich durch das Volumen der Zuwendung seitens der Bekloppten, sorry Kunden, gelange er zu den hohen Bullshitwerten. Statt Kunden lies Leser, geht auch.

Dass dieser Dummfug überhaupt funktioniert, entspreche dem Lauf der Dinge, oder dem Zeitgeist, was halt zuerst kommt.

"Wenn die Miezen nicht weghören, kriegen sie genau, was sie verdienen!"

Wird Zeit, dass Frühling.

 

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Gegen den Strich gekämmt


Ausrottung geglückt

 

Nehmen wir an, wir führen unseren Volvo bei der Werkstatt vor, bei einer dieser markenfreien, die es jetzt öfters gibt, und die Tante am Empfang verkündete spitz:

"Lieber Herr, Sie fahren einen Benz, sowas reparieren wir hier nicht." Sagt's und sperrt den Laden vor unserer Nase zu.

So etwas passiert dem Profi, zum Beispiel Journalisten, der mit dem Opera-Browser im Netz unterwegs ist. Die Websites selbstverliebter Designer erkennt er schon daran, dass sie ihm - von oben herab, woher sonst? - versichern, er würde eine veraltete Ausgabe des Netscape-Browsers verwenden.

Der Volvofahrer findet eine andere Werkstatt. Als Operanutzer schalte ich notfalls einen anderen Browser ein, meist bleibe ich beim Opera, verzichte auf die Werkstatt, äh Website, und hatte selten Anlass zur Vermutung, dass ich irgend etwas versäumt hätte.  (ob)

Netscape, aus den USA
Opera, aus Norwegen - Du verstehen?

 

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Das war's für heute!

 

baerentatze

Impressum

Deutsche Bibliothek : ISSN 1619-7909 (Web-Ausgabe)
Jahrgang/Ausgabe/Datum : 6 / 2 / 23.3.2004
Frequenz / Preis : unregelmäßig / gratis
Herausgeber : Dipl.-Ing. Oliver Baer
Inhalt Website : www.baerentatze.de/files/sitemap.htm
Impressum nach $6 TDG : www.baerentatze.de/files/impress.htm

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