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baerentatze

Oktober 2004

Der wirklichkeitsnahe Rundbrief zur Praxis und Ethik des Marketings

Inhalt dieser Ausgabe

Kommentar

Thema

Charliers Depeschen aus Digitalien

Leser, Kollegen, Wettbewerber

Spottolski

Gegen den Strich gekämmt


Kommentar

 

Liebe Leser der baerentatze,

Als der Polizist Schnyder auf der Wache, mitten in seinem Kreuzworträtsel zum wiederholten Male vom Telefon unterbrochen, erklärt Emil Steinberger, warum er nicht schneller reagierte: "Zuviel Arbeit!" So erging es Charlier und mir, und das liest sich als Entschuldigung ganz trefflich, in Wirklichkeit aber bremste uns Spottolski. Er hatte vergessen, wozu die baerentatze gut wäre, und wenn ja, warum trotzdem, und keiner vermochte ihn aufzuklären.

Wir lassen ihn auch jetzt im dunkeln, ändern aber auf die Stille ein paar Dinge. Wenn er sie bemerkt, ist es gut, wenn nicht, muss er ja nicht hinschauen. Hauptsache, uns macht die Sache noch oder wieder Freude. Das tut sie, pünktliche Erscheinungstermine aber lehnen wir - weiterhin mit Entschiedenheit - äh, ab!

Unseren Rundbrief mit den Appetithäppchen erhalten übrigens an die 1200 Personen. Gelesen wird er von zwanzig, wenn nicht noch mehr. Falls Sie das wissen wollten ...

Ihr Oliver Baer

 

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Thema


Sprachpflege, ein Marketingkniff

Das Marketing vermittelt den Kunden, Lieferanten, Geldgebern und den Mitarbeitern, wes Geistes Kind die Kultur des Unternehmens ist. Folgerichtig ist das Marketing großer Unternehmen so verklemmt wie ihre Kultur.

Kultur der Dürftigkeit

Kultur erblüht, wo sie sich mit der Wirklichkeit ihrer Teilnehmer abgibt, und sie verkümmert, wo sie Potemkinsche Dörfer baut, man erkennt zwar seine Verklemmungen wieder, schätzt die Einsicht aber wenig. Ist es selbstsicher, muss das Unternehmen nicht mehr darstellen als es ist, dann verzeihen die Kunden sogar seine Fehler. Aus dem Wechselspiel der Mitarbeiter mit den Kunden, Lieferanten, Geldgebern nährt sich die Selbstsicherheit. Aber nur wenige Unternehmen nutzen die Teilchenbeschleunigung aus diesem Energiekreislauf. Stattdessen ergeben sie sich der Lüge. Sichtbar wird das an ihrem Marketing, leicht nachweisbar an ihrem Gebrauch der Sprache.

Potemkinsche Dörfer ohne Teilchenbeschleuniger

Beispielsweise die Coca Cola ist zu groß um noch die Wirklichkeit ihrer Teile wahrzunehmen. Das Unternehmen gaukelt sich und den Kunden eine Welt vor, mit Erfolg, wenn auch gewaltigem Aufwand, den die Kunden über den Preis der Brause jedoch bezahlen. Dabei weiß jeder, die Coca Cola füllt Londoner Leitungswasser als Mineralwasser ab. Lügen gebären Folgelügen, das macht alles einen Heidenaufwand. Es funktioniert, mehr nicht.

Manche trinken seither Pepsi, wer weiß, vielleicht ist es besser.

Auch Gesunde

Auch gesunde Unternehmen spiegeln ihre Krisen im Marketing. Auch bei ihnen gerinnt zum Kitsch, was eben noch so frisch daherkam. Es versäumt halt jeder gerne, ob Mensch oder Unternehmen, sich zu erneuern. Aus Reklamationen könnte man lernen, oder aus dem freien Spiel der Gedanken im Hause, aber wenn das Klima mies wird, setzen die Macher auf die Siegesformeln von gestern und die Mobber erwürgen, wer aus der Reihe tanzt. So weitet sich die Kluft zwischen Abbild und Wirklichkeit, der Kitsch sieht aus wie echt, und als erste glauben die Mitarbeiter nicht mehr die eigenen Sprüche.

Kleine, vom Eigentümer geprägte Unternehmen entkommen dieser Falle noch am leichtesten, sie sind fähig zu handeln, sie nähern ihren Pathos dem Ethos.

Pathos, was das Unternehmen der Öffentlichkeit darbringt; Ethos, was die Öffentlichkeit vom Unternehmen wahrnimmt.

Beispielsweise Soli fer ist ein überschaubarer Ingenieur- und Handwerksbetrieb. Kürzlich wurde er vom Verein Deutsche Sprache mit einer Urkunde geehrt: "Wir sprechen die Sprache unserer Kunden". Er belohnte Soli fers Bemühen, eine Sache für die Kunden verständlich zu halten, an der sogar gute Handwerker scheitern - die solare Heiztechnik. Die Initiative zu diesem Bemühen beruhte zwar auf einer Marketingentscheidung, wäre aber nichts als Schminke, wenn die Mitarbeiter sie nur erduldeten.

Da sie von der Initiative - und dem freundlichen Echo - überrascht, aber nicht erschreckt wurden, begrüßen sie den ungewohnten Umgang mit der Sprache in ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Auch die Kunden erlebten, beispielsweise zur Hausmesse, wie sie mit einem Sprachspiel an der Kultur des Hauses mitwirken konnten; in Soli fers Netzauftritt beobachteten sie binnen Tagen, wie die Beiträge der Kunden die Texte veränderten.

Das Sprachspiel: Begriffe stutzen hat in Gang gesetzt, dass die Texte auch künftig überarbeitet werden.

Wäre Verständlichkeit durch gutes Deutsch nichts als ein Marketingkniff, um Aufmerksamkeit zu erhaschen, hätte sich die Geduld der Mitarbeiter und Kunden schnell erschöpft. So aber hat sich das Marketing von der Umwelt des Unternehmens anregen lassen und frische Impulse von außen in das Unternehmen zurückgebracht. Große Unternehmen, die zur Aufspaltung in überschaubare strategische Geschäftseinheiten nicht mehr fähig sind, versäumen das Belebende an diesen Dingen, ihnen bleibt nur die Erfahrung, dass Marketing ein Schwachsinn sein muss.

Schade, ich finde Marketing interessant. Aber urteilen Sie selbst, wie authentisch der Netzauftritt von Soli fer bei Ihnen ankommt:
Soli fer Solardach GmbH im sächsischen Freiberg;
Die Urkunde des VDS - was man schwarz auf weiß besitzt;
Begriffe stutzen, kurzer Bericht über das Sprachspiel;
Aus dem Nähkästchen: Marketing von Soli fer.   (ob)

 

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Trau keinem über Dreißig!

Zu einem Vortrag des streitbaren Walter Krämer, fanden sich in Dresden 84 Personen ein, davon waren zwei Drittel ältere Leute, also Grau- bis Weißhaaarige, Altersglatzige und andere ewig Junge: Strichliste.

Gründer des Vereins Deutsche Sprache (VDS)

Jüngere Leute, die ich übrigens selbst zum Vortrag gelockt hatte, versicherten mir dann: So werde aus dem Verein Deutsche Sprache aber nichts. Die Senioren schreckten sie geradezu ab! Die guckten besorgt drein, man sah es an ihren Augenbrauen.

"Trau keinem über Dreißig", hatte dereinst auch meine Generation gerufen, wogegen ich allerdings schon damals ziemlich altklug einwendete, man müsse nicht jede Beklopptheit, nur weil sie gut klingt, auch aussprechen. Zumal sie einem bald um die Ohren fliegen werde.

Neuesten Beobachtungen zufolge, sind seither tatsächlich alle um die vierzig Jahre älter geworden.

Der Verein belebt die Deutsche Sprache, die baerentatze tut das auf ihre Art schon im sechsten Jahrgang. Wer meint, es ginge dem VDS nur um Anglizismen, und unsere Sprache hätte schon Latein und Französisch verkraftet, darf im Netzauftritt des VDS getrost ein bisserl tiefer stöbern. Gar so harmlos ist nicht, was wir mit der Muttersprache anstellen.

Beim Sprechen kann sich jeder auch selbst zuhören. Im Internet bemerke ich zwei Reaktionen auf den VDS, Aggression und Besinnung. Die einen schimpfen auf die Bevormundung durch selbsterwählte Sprachschützer, die anderen ertappen sich, einmal aufmerksam geworden, immer öfter bei einer Wortwahl, die ihnen nicht länger liegt.

Aggression ist ein gutes Zeichen, denn was einen ärgert, das lebt jedenfalls noch. Ungepflegte Sprache fühlt sich nun mal an wie lustloses Geknutsche. Muss nicht sein.

Lieblos, lustlos, sinnlos

Übrigens leben mit der verkümmerten Sprache nachher nur die Jüngeren, denn unsereins lümmelt dann längst auf irgend welchen Wolken herum. Will sagen, dass sich die Jungen amüsieren, ist nicht Zweck des Vereins Deutsche Sprache. Trotzdem kann Sprachpflege auch Spassss machen, mit vier s. Oder Freude, den Unterschied gibt es ja noch.

Pfeif auf den Effekt - Hauptsache das Ding hat Wirkung!

  (ob)

 

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Charliers Depeschen aus Digitalien

 

Geschäftsmodell Dummheit?

Besteht die Internet-Ökonomie wirklich nur noch aus Bauernfängern sowie den Trotteln, die sich von ihnen fangen lassen? Da pusten Spammer millionenfach supergünstige Viagra-Offerten und nigerianische Erbschaften durch die Drähte und immer noch lohnt sich der Schwachsinn. Auf Hausaufgaben.de oder Online-Rezepte.de werden unbedarften Schulkindern und ihren noch unbedarfteren Müttern wie auf zehntausend anderen Seiten Dialer untergeschoben. Es scheint sich zu rechnen. Bloß auf Kochrezepte.de gibt's keinen Dialer, dort geht's zur Partnervermittlung.

Wenn auf 15 Millionen eMails nur 50 Empfänger einen Karton Viagra bestellen, zahlt sich die Aktion schon aus. Sonst hätte sich das Spam-Phänomen bereits erürigt.

Bei einer beliebigen Anfrage im Google (bei anderen Suchmaschinen ist es kaum besser) wird man immer öfter auf Seiten geschickt, wo es zwar nichts Informatives über den Gegenstand des Interesses zu lesen ist, aber dafür erfährt der Besucher, was man definitiv nicht wissen wollte: Daß das fragliche Objekt in 32-facher Ausfertigung derzeit auf eBay supergünstig zu ersteigern ist. Wer dann tatsächlich zu eBay geht und kauft, was er nicht braucht, verschafft dem Suchmaschinenspammer eine Provision. Keine große, aber die Masse scheint's zu bringen.

In München gibt es eine zwar nicht edel, aber adelig geführte Anwaltskanzlei, deren Chef damit bekannt wurde, wie er die Markenrechte von Größtunternehmen per kostenbewehrter Abmahnung gegenüber Schülern und Kleinstunternehmen durchsetzte. Nun erlitt er eine Hausdurchsuchung und sein Sozius wurde festgenommen, weil er die Geschäfte für eine Bande von Urheberrechtsräubern führte: Auf einem Server irgendwo im Pazifik bot man für 50 Euro Raubkopien von Business-Software an, die sonst gut und gerne einen Tausender kostet. Natürlich waren alle Käufer gutgläubig, versteht sich. Und der Freiherr hat von nichts gewußt, versteht sich.

Günnis Kanzlei
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Doch die gewöhnliche Dummheit befällt nicht nur Schnäppchenjäger und Winkeladvokaten, sondern auch Unternehmen, die es besser wissen könnten. T-DSL hat sich in wenigen Jahren eine dominierende Rolle für den Netzzugang gesichert zu Recht, denn die Technik stimmt und der Preis ist akzeptabel. Und wenn die Verbindung dann doch einmal stockte, ging, wer das noch konnte, per ISDN oder Modem auf die private Seite TDSL-Support.de, dort wurde er geholfen.

Das wird er jetzt nicht mehr. Die Telekom hat sich die Domain gesichert, und wer den Nothelfer anruft, landet nun auf der Eingangsseite des Gemischtwarenhandels mit dem gesetzlich geschützten Magenta. Also auf einer der unaufgeräumtesten Webseiten des bekannten Universums diesseits von Betelgeuze und Lichtjahre entfernt von jeder Hilfe in T-DSL-Notlagen. Das hebt die Stimmung, aber nicht beim Kunden.

Genug der Realsatire, Zeit zur Moral von der Geschicht' zu kommen. Die übrigens ganz einfach ist: Wo schon die dröhnende Dummheit ihren Schnitt macht, findet sich auch die eine oder andere Nische für eine intelligente Geschäftsidee. Oder sind Ihre Kunden Schwachmaten? Ich kenne jedenfalls eine Menge Leute, die regelrecht aufatmen würden, wenn ihnen einmal ein Webangebot zu erkennen gäbe, daß man sie nicht für Idioten hält.

Nachsatz: Angesichts des Angebots der Telekom, die T-Online-Aktien zu einem Drittel ihres Ausgabekurses zurückzunehmehn, nehme auch ich alles zurück und behaupte das Gegenteil: Dummenfang ist das Geschäftsmodell der Zukunft.

  (mc)

 

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Erfolg weckt Zweifel

Grund für ein Jubiläum? Im Oktober 94 leistete ich mir meinen ersten eigenen Internetzugang. Das deutsche Internet war damals noch ziemlich übersichtlich, und alle Seiten sahen gleich aus. Bis auf die paar, die schon Bilder hatten. Dieser Tage nun ist zu hören, daß 40 Millionen Deutsche im Internet sind und die Zahl der de-Domains über die 8 Millionen geklettert ist. Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte, aber nicht nur die Seltenheit wirklich zuverlässiger Informationsangebote und der Mangel an überzeugenden Geschäftsmodellen wecken Zweifel.

Das neue Ding, von dem man immer noch nicht genau weiß, ob es eine Technik oder ein Medium, ein Kommunikationsinstrument oder ein Vertriebskanal, ein Segen für die Meinungsfreiheit oder eine Gefahr für Recht und Ordnung darstellt, scheint nach wie vor viele zu überfordern. Insbesondere diejenigen, die in staatlichen Institutionen oder großen Unternehmen über seinen Einsatz zu entscheiden haben.

Nach wie vor entstehen viele Webauftritte so, daß zunächst einmal das Marketing ein Grafikbüro engagiert, welches das Selbstbild der Chefs vom Unternehmen möglichst spektakulär auf Plakatkarton pinselt. Wichtig dabei ist vor allem die strikte Einhaltung der Hausfarben. Wenn die Kartons dann schließlich gefallen, werden sie pixelgetreu für das Internet umgesetzt - wo zur allgemeinen Verblüffung nicht nur die Sache mit den Farben nicht recht funktionieren will.

Während der Geschäftsführer immer noch glücklich ist, daß der Abstand zwischen Logo und Mission-Statement auf seinem Bildschirm genau die vorgeschriebenen 2,7 Millimeter beträgt, macht man im Marketing eine Entdeckung: Mag ja sein, daß man Kaffee oder Waschpulver in jede beliebige Packung stecken kann und dabei Design alles ist. Inhalt für das Internet unterscheidet sich zumindest im Idealfall doch von mehr oder weniger feinkörnigem Füllgut, hier hätte man vielleicht auch Gesichtspunkte der Informationsarchitektur, der Einbindung in Geschäftsprozesse und der Handhabung für den Besucher berücksichtigen sollen.

Ein guter Teil der Aufträge für KommKonzept hat derzeit kein anderes Ziel, als in diesen Bereichen nachzurüsten oder zumindest notzustopfen, was besser und billiger zu haben gewesen wäre, wenn man bloß vorher daran gedacht hätte. Als probates Mittel, vorher daran zu denken, haben sich inzwischen Workshops herausgestellt, auf denen interne Interessen und Kompetenzen mit externem Sachverstand und vor allem Unbelastetheit zusammengeführt werden. Da wird oft richtig was weggeschafft.

Müll wegschaffen bevor er anfällt

Und einen Tipp, wie Sie Ihrem Karton-verhafteten Geschäftsführer und seinem Lineal beikommen, gibt's gratis vorweg: Stellen Sie ihm einfach zwei verschieden große Monitore mit unterschiedlicher Farbwiedergabe hin - das gibt ihm für eine Weile zu denken.

"Sie sind doch Profis? Dann gleichen sie die Farben ab!"
Hat er gesagt, ich war dabei.

  (mc)

 

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Leser, Kollegen, Wettbewerber


 

Beobachtungen und Verweise

Fußball im Würgegriff

Was vom Publikumssport noch übrig ist, wird die Trennung des Marketings von dem Produkt, das es zu vermarkten hat, kaum überleben.

"Grau is alle Theorie - entscheidend is aufm Platz", verkündete Adi Preißler. Er kannte sich halt aus: dem Zuschauer sollten die neunzig Minuten auf dem Spielfeld gefallen. Das tun sie aber immer seltener. Trotzig treten Spieler und Trainer vor die Kamera und geben zu, ohne rot zu werden: "Am Ende zählt der Sieg, sonz nix!".

Wenn nur der Sieg zählte, würden die 17 Nicht-Ersten ihre Zeit vergeuden

"Wenn dat so is," sagt Otto Ochsendung, "hör ich mir die Ergebnisse im Radio an. Neunzig Minuten plus An- und Abreise, die schenk ich mir, in der gleichen Zeit kriegen wir zwei Partien Carcassonne fertig. Aber feste!"

Im Fußball übernimmt das Umfeld die Mitte. Die Vermarktung der Turniere, der Spieler, der Trikots, alles was Nebensache ist, gerät schon spannender als das Gerumpel der Combo auf dem Platze. "Heinz Meier wechselt für vier komma fünf Mio zum FC Bayern." Kein Wunder, dass die Fänns Feuerzeuge werfen.

Wer beim Fußball außer Atem kommen möchte, steigt um auf Tippkick

"Halt, hätt ich fast ganz vergessen," sagt der Ochsendung, "wie konnte ich bloß? Dann gäbe es ja nichts mehr zu vermarkten! Ich meine, wer will denn noch ein Bayernhemdchen, wenn die nicht mehr spielen?"

Ja eben.   (ob).

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Sprachpflege am ersten Pult

Die älteren Leser wissen, was die baerentatze vom leichtfertigen Umgang mit der Sprache hält. schön, dass andere das auch so sehen. Stöbern Sie mal in den Unterlagen des Vereins Deutsche Sprache.

Als erstes entdecke ich in meinen Wortschatz Anglizismen, die ich zwar aus dem Ausland mitbrachte, aber diese Entschuldigung gönne ich mir nicht mehr. Die Dinger sind peinlich und meist durch ein bunteres, kräftigeres Wort aus dem Deutschen ersetzbar. Deutsch und Englisch in einem Satz zu vermischen, das kommt mir vor, als müsste ich in zwei Mikrophone quatschen, immer von einem zum anderen laufen. Das hält einen fit, mag sein, aber wenn ich mich zusammenreiße und bleibe bei einer Sprache, hört man mir ganz anders zu.

Meinen Netzauftritt werde ich schleunigst erneuern.

In der baerentatze rückt Sprache und Marketing von nun ab ans Pult des Kapellmeisters, statt wie bisher mal bei den zweiten, mal bei den ersten Geigen mitzufideln. Unter dem Titel Englisch ist die letzte Sprache, finden Sie Überlegungen zu einem Endpunkt, den in diesem Lande so mancher ersehnt: Eines Tages reden wir sowieso alle Englisch. Dazu ein weiterer Gedanke, den Dieter E. Zimmer vor acht Jahren in die Welt setzte, aber da fiel er noch nicht so auf - sehen Sie selbst: Der Schaden, den Finnland nahm.

Schließlich gibt es neuerdings eine Arbeitsgruppe im VDS, wo ich mit Kollegen und Mitstreitern gerne über Gemeinsamkeiten streite: AG Sprache und Marketing.

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Globalisierung und ihr Gegenteil

Als einen von sieben "Megatrends" einschließlich seines zugleich gültigen Gegentrends bezeichnet das Gottlieb Duttweiler Institut die Globalisierung und Babelisierung

Globalisierung

"Trend: Informationen, Wissen und Trends diffundieren wesentlich schneller als in vergangenen Epochen und führen zu einer weltweiten Angleichung der Lebensstile und Konsumwünsche. Die globale Mobilität von Menschen und Produkten nimmt zu. Zugleich steigt der globale Wettbewerbsdruck auf Preise und Löhne. Die Kluft zwischen Armen und Reichen wächst."

Babelisierung

"Gegentrend: Lokale und regionale Produkte und Dienstleistungen und Traditionen gewinnen nicht zuletzt als Reaktion auf die Globalisierung wieder an Bedeutung. Lokale Sprachen und Dialekte gewinnen im Vergleich zu Englisch als Universalsprache an Bedeutung."  (ob)

Nichts mehr zu lachen: Den köstlichen Unfug "Come in and find out" hat Douglas durch eine deutsche Zeile ersetzt.

An dem Begrif Babelisierung stört, dass die Vielfalt der Sprachen mit dem Disaster des Turmbaus verbunden, daher negativ besetzt bleibt. Meinem Alltag nützt die Vielfalt: Von 100 englischsprachigen eMails in meinem Briefkasten können 99 spontan gelöscht werden. Das beschleunigt die Spamverarbeitung.

Sei's drum, verziehen tut sich das Denglische bereits in der Werbung, hinziehen wird es sich in den Medien. Aber Hand aufs Herz: Sehen Sie noch fern?

eMail heißt auf Jiddisch Blitzpost. Diesen Begriff borge ich mir als Lehnwort: ein schönes Beispiel für Kirze - Wirze.

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Denglisch zerbricht Übersetzerköpfe

Zwei Übersetzer berichten fast wörtlich das gleiche Erlebnis: Ein Text ist ins Englische zu übertragen, kein Problem, bis auf die englischen Einsprengsel, die neuerdings wie die Läuse in Texten nisten. Kaum eines dieser Getüme durfte übernommen werden, jedes musste rückübersetzt werden ins Englische, sonst gäbe es Missverständnisse, wie bei den "false friends", nur wären sie peinlicher.

Beispiel eines falschen Freundes: Eventuell heißt auf Englisch nicht eventually

Eng wird es für den guten Ruf, wenn deutscher und englischer Text in zwei Spalten nebeneinander umbrochen sind. Und wenn der deutsche Text steht, egal, was der Übersetzer meint, da darf nichts mehr geändert werden. Vollends zum Schmerz im Genick wird es, wenn das Stammelenglisch in die Überschriften gesickert ist.

Sogar im Deutschlandfunk wird jedes zweite englische Wort falsch ausgesprochen.

Englische Muttersprachler finden das längst nicht mehr witzig. Was sie linguistic submissiveness (sprachliche Unterwerfung) nennen, hieß bei uns zuhause Arschkriecherei.

Auf die Verballhornung der Sprache von Shakespeare, Keats und le Carré stehen übrigens sechs Monate Ekelhaft, abzubüßen in Frau Buhlmans Sekretariat. Und die Übersetzung war natürlich für die Katz.  (ob)

Churchill über die Deutschen: Entweder sie sind dir an der Gurgel, oder zu deinen Füßen.

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Fundstück

Mit dieser Tabelle fasst eine befreundete Agentur in 3 x 6 = 18 Stichworten ihre Kompetenzen zusammen. Übersichtlich und knapp - sehr gut. Nur zwei Begriffe kommen treudeutsch daher, die Werbung und die Betreuung.

Tabelle aus drei Spalten mit je sechs Zeilen

Ich werde mich hüten und was sagen. Oliver Baer Coaching & Consulting schafft es sogar ganz ohne Deutsch. Fragt sich nur, ob der Gedanke, der dazu führte, so pfiffig war. Was sich die Kollegen sicher auch schon gefragt haben.  (ob)

Siehe unten: Konsequenzen, die Spottolski zog

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Betreuung von Studenten

Gerne unterstütze ich Ihre Projektarbeiten zum Thema Marketing. Vorausgesetzt, Sie planen selbst etwas dazu beizutragen. Kürzlich bat mich ein Schlaumeier um Verweise im Internet: Zu faul zum Googeln, was?  (ob)

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Dodo des Jahres

Anwärter auf den Dodo des Jahres ist - Gott, wie langweilig - schon wieder die Deutsche Bahn. Kunden, die per Internet Fahrscheine kaufen, also das Papierchen mit dem eigenen Drucker selbst anfertigen, müssen mindestens 21 Euro weit wegfahren, darunter müssen sie anstehen in der Bahnhofshalle!   (ob)

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Spottolski


 

Marketing, werbunek, reklama

Man habe ihn vermisst, sage ich zu Spottolski. Dem süßen Kater mit dem polnischen Namen, wie es dem denn gehe?

"Süß? Zeit, dass ich meinen Namen ändere."

"Warum?" fragt Kollege Charlier nach gebührender Zeit. "Ihr dürft mich von nun ab Spottfeld nennen." verkündet der Kater. Und wir sollten ihn nicht länger als Marketingexperte verunglimpfen. "Marketing ist out," erklärt er, "außerdem bekommt es mir nicht," und zeigt seine Pfote, fehlt eine Kralle. Am Kopf mehr Narben als Fell, das linke Auge ist halb zu, Ohren hat er wie Endivien. Er schaut aus wie nach einer Plauderei mit Mike Tyson.

Die Redaktion: Charlier und Baer sowie ein vorwiegend virtueller Volontär, und Spottolski, Marketingweltmeister.

Wieso Spottfeld? bedrängen wir ihn. Die polnische Masche sei ein Fehlgriff gewesen, erklärt Spottolski, "originell, aber ohne Nährwert," sagt er mit einem Blick auf seinen Honorarnapf. Leer, wie immer wenn er hinschaut. Er habe das Licht gesehen, als ihm einer die achtzehn Kompetenzen einer Werbeagentur zeigte (siehe oben). "Diese Leute wissen, wo es lang geht, Englisch ist für alle da!" Im übrigen sei er kein Pole, sondern halber Amerikaner, abstammungsmäßig.

Ältere Leser erinnern sich: Weil das megakuhl wäre, rein alleinstellungsmäßig gesehen , hatte sich der Kater zu Beginn seiner Karriere eine polnisch-katholische Identität zugelegt.

Daher der Name Spottfeld? - Daher der Name Spottfeld!

Dieser Umstand verhelfe ihm zu Schwellenerlebnissen, von denen wir Deutsche nichts ahnten. "Doch," sage ich, "Du sitzt draußen auf der Schwelle, ich lass dich rein. Kaum bist du drinnen, sitzt du an der Schwelle, starrst in den Garten, ich lass dich raus. Das geht ein halbes Dutzend mal," erkläre ich.

"Soweit hat er dich?" guckt mich Charlier über seine Brille an. "Übrigens ist Spottfeld ein deutscher Name", behauptet er, der wieder mal alles weiß. Da nickt ihm der Kater zu. "Sag ich doch," sagt er.

"Vielleicht meint er," erkläre ich schlau, "die hohe Zeit des Englischen im deutschen Markt ginge dem Ende entgegen." Charlier kann schließlich nicht alles besser wissen. "Jawohl, und ich bin meiner Zeit voraus!" schreit Spottolski, will sagen Spottfeld.

"Quatsch," schüttelt Charlier den Kopf. Dann könnte er gleich bei Spottolski bleiben, "die Zukunft heißt Europa, benachbarte Märkte, grenzüberschreitende ... Dingsda und so weiter. Sieh zu, dass du polnisch lernst!" - "Polnisch, wieso?" Das sprächen die dort, versichert Charlier, in Polen.

Englisch ist die letzte Sprache

"Und was ist Marketing auf Polnisch?"

"Ebenfalls Marketing," gestehe ich. "Aber", beeile ich mich, da er, ohne Luft zu holen, triumphieren möchte: "Wo wir vermarkten sagen, heißt es in Polen plasowac nach rynku, auf den Markt bringen. Das ist doch wirklich hübsch, und hat einen accent d'aigu über dem c."

Echt," raunt der Kater, "mit Akzangdägü?"

Er erhebt sich, steuert seinen Honorarnapf an. "Leer!" konstatiert er. "Wie immer, wenn ich hinschaue." Aber die Spottfeldsache werde er sich überlegen. Und verlangt, dass ich ihn hinauslasse. Womit endlich Charlier drankommt. Er dringt darauf, dass die baerentatze weniger über das Marketing, sondern über wichtige Dinge spricht.

Honorarnapf : Endlose Debatten mit Spottolski über sein Honorar, sprich den Inhalt seines Napfes. Worauf sie hinauslaufen: Dass wir drei Angebote vorlegen, und er sucht sich das teuerste aus.

Die Sache ist noch hängig.  (sp)

 

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Gegen den Strich gekämmt


 

Arbeit ist eine Zumutung

Wenn die Leute, statt in die Glotze zu starren, arbeiten sollen, ist das für die Gewerkschaften eine Zumutung. Die Leute selbst sehen das weniger eng. Kein Wunder, bei dem TV-Angebot.

Die Leute sind aber auch Verbraucher, die den Kollegen im kleinen Einzelhandel einiges zumuten: "Wer nicht bei Aldi kauft, ist ein Idiot." Genau, aber wenn schon platt, dann so: "Aldi schafft Arbeitsplätze, nur nicht hier."

Sollten wir Lidl, Netto, Kaufland, Rewe, Karstadt und weiß der Geier wen sonst noch versäumt haben zu beleidigen, entschuldigen wir uns: Tut uns leid, Sie waren auch gemeint. Ohne Ihre gedankenlose Kundschaft stünden Sie dumm da.  (ob)

 

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Das war's für heute!

 

baerentatze

Impressum

Deutsche Bibliothek : ISSN 1619-7909 (Web-Ausgabe)
Jahrgang/Ausgabe/Datum : 6 / 3 / 12.10.2004
Frequenz / Preis : unregelmäßig / gratis
Herausgeber : Dipl.-Ing. Oliver Baer
Inhalt Website : www.baerentatze.de/files/sitemap.htm
Impressum nach $6 TDG : www.baerentatze.de/files/impress.htm

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