baerentatze

Juli 2005

Der wirklichkeitsnahe Rundbrief zur Praxis und Ethik des Marketings

Inhalt dieser Ausgabe

Kommentar

Thema

Charliers Depesche aus Digitalien

Leser, Kollegen, Wettbewerber

Spottolski

Gegen den Strich gekämmt


Kommentar

 

Wörter machen noch keine Sprache

Liebe Leser,

Manche englischen Neuwörter bereichern unsere Sprache, beispielsweise das Händi finde ich lustig. Andere machen uns zum Affen, wie der Back-Shop, solche Beispiele kennt bald jeder. Aber verwechseln wir nicht das Symptom mit dem Übel. Gefährdet ist die Substanz unserer Sprach- und Denkfähigkeit. Was sich untergründig und schleichend an unserer Sprache zu schaffen macht, nützt hierzulande keinem, schon gar nicht der Wirtschaft.

Dem gehen wir in dieser Ausgabe auf den Grund. Wie wir unsere Kunden mit dem Marketing für voll nehmen, beweisen wir mit der Wahl unserer Begriffe, mit dem Klang der Wörter, mit dem Rhythmus der Sätze, mit der Komposition unseres gesamten Auftretens. Der Aufwand nützt nicht nur, er macht sogar Freude. Die ich Ihnen auch beim Lesen wünsche,

Ihr Oliver Baer

 

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Thema


Der Ton macht die Musik

Soll die Sprache der Werbung Räume mit Rauschen füllen - damit uns die Leere nicht bange macht, so wie die Muzak in Hotelaufzügen? Oder soll Werbung beim Wort genommen, beim Sinn gepackt werden - damit sie Gedanken wecke, die den Leser überraschen?

Zur Sache etwas zu sagen, ist laut Novalis ein widersprüchliches Unterfangen: "Will er aber von etwas Bestimmtem sprechen, so lässt ihn die launige Sprache das lächerlichste und verkehrteste Zeug sagen," (Monolog).

An der Sache vorbeizuquasseln, befriedigt aber auch nicht. Der Google wirft tausende von Fundstellen aus, da können wir nach jeder beliebigen Plattheit suchen. Aber das beweist nichts: was wir schwer finden, ist originell und das muss rar sein, sonst wäre es platt.

"Kunde steht im Mittelpunkt"
- 5.500 Fundstellen

"Mensch steht im Mittelpunkt"
- 11.500 Fundstellen

"Wünsche des Kunden"
- 16.000 Fundstellen

Zum Beispiel "Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein", ist zwar geborgt, originell ist aber das Risiko, auf das sich der dm Drogeriemarkt einlässt. Er legt die Latte hoch, daran mögen ihn die Kunden messen. Für unsere Leser in Dschalalabad: Der Urtext (Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!) stammt von einem sogenannten Goethe, so heißen die Weltmeister im Dichten; man liest sie nicht, zitiert sie aber.

Goethes Satz wirkt auch in der Drogeriefassung. Er klingt nach, er geht unter die Haut und stiftet Unruhe in den Sinnen. Sein Inhalt erschließt sich erst, nachdem der Ton unsere Sinne geöffnet hat, er weckt unsere Vorstellungen und reizt, dass wir selbst nachsehen: Dürfen die so auf den Putz hauen?

Schon wieder dm Drogeriemarkt als Vorbild? Nennen Sie ein besseres Beispiel ...

Dann wäre der Ton wichtiger als der Inhalt, denn als Filter kommt er zuerst dran? Das käme den Werbern entgegen. Aber ohne Inhalt, der die Sinne anstiftet, stellt sich kein Ton ein, der passen möchte. Nicht jedes Rohr eignet zur Flöte. Hinzu kommt: Nach dem Passieren des Tonfilters setzt manchmal das Denken ein, oder etwas Ähnliches. Diese zweite Prüfung möchten wir auch bestehen. Falls uns jemand beim Wort nimmt.  (ob)

 

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Advantage Server

Deutsche Muttersprachler als Executives im Ausland sprechen ein gutes bis sehr gutes Englisch. Vermutlich schneiden sie im Durchschnitt besser ab als ihre europäischen Kollegen.

Vorteil Aufschläger

Da sie aus Mitteleuropa kommen, sind sie schon genetisch zur kulturellen Vielfalt geneigt, sicher sind sie energischer beim Erlernen sowie begabter und auch williger im Umgang mit fremden Sprachen. Jedoch überschätzen die Executives den Gehalt dieser sympathischen Eigenschaft. Es müsste ihnen schon ein Muttersprachler den Zahn ziehen: "Lieber Freund, allen Ansprüchen genügt dein Englisch aber nicht; es gibt Feinheiten, die du nicht ermessen kannst." Wir sind unter uns, probieren wir es trotzdem.

Ein ausgezeichnetes Englisch bringt der Muttersprachler zustande, sonst niemand. Für den weltweiten Verkehr der Wirtschaft mag das gute Englisch genügen, zumal für das Globish, um nicht zu sagen das schlechte Englisch, das BSE (Bad Simple English), welches zur weltweiten Norm wird. Diesen Schwachsprech verstehen nicht einmal die Engländer fehlerlos und Oxfordianern stehen die Haare zu Berge.

Lohnt sich der Mehraufwand, auch noch das letzte Wegstück zur Vollkommenheit zu gehen? Dagegen spricht schon der abnehmende Grenznutzen, aber nicht nur dieser. Stellen wir die Frage auf den Kopf: Wem nützt es, wenn wir dem englischen Muttersprachler bedingungslos, überall und zu jeder Zeit einen Heimvorteil einräumen? Muss auch im letzten sächsischen Winkel die lingua franca der Fachleute ein gebügeltes Englisch sein?

Kein Einzelfall: Ein renommiertes Foschungslabor wurde bisher von einem Experten geleitet, dann bekam es einen Manager an die Spitze. Die Wissenschaftler müssen seither stets Englisch sprechen, auch unter sich und ihre Berichte auf Englisch abliefern. Darauf achtet der Manager, er versteht vom Fach weniger als sie, dafür kann er heiße Luft herstellen, in unbegrenzter Menge, auf Englisch. Den Fachleuten jedoch fallen beim Lesen der Berichte die Haare einzeln aus: Fehlerhaft, ungenau, flach.

Der Schein prägt das Bewusstsein.

Im Sport treten wir auswärts mit besonderem Ehrgeiz an. Die Engländer, denen wir den Sport verdanken, nennen das to beat the odds, aber in der Wirtschaft, im globalen Kampf um Anteile an den Märkten und den Mitteln, Märkte zu durchdringen, dort gleicht keiner seinen Vorteil durch ein Handicap zugunsten der anderen aus, wie beim Golf; das kann er gar nicht, will er nicht, seine sprachliche Überlegenheit nutzt er zu seinem Vorteil. No na, was sonst ...

Gewinnen, der Wahrscheinlichkeit zum Trotz

Zwischen der sehr guten Sprachfertigkeit in einer Fremdsprache und ihrer muttersprachlichen Beherrschung gibt es einen Abstand, auch dieser ist zu finden in der Zone des abnehmenden Grenznutzens. Er betrifft sowohl die Fähigkeit, die Sache zu beschreiben, um die es geht, als auch die Überlegenheit, mit der man sie bespricht.

Wir Deutschen, Österreicher, Schweizer besitzen traditionell einen Vorsprung, für den man uns schätzt. Er liegt auf dem letzten Wegstück zur Vollkommenheit und entspricht unserem Willen und der Fähigkeit, das Besondere auf schöpferische Weise zu leisten, dabei zugleich pfiffig und verlässlich zu sein. Wir leisten Ausgezeichnetes auf einem Niveau, das unsere höheren Preise rechtfertigt. Diesen Vorsprung zu wahren, ist kein Privileg, es ist unsere Pflicht, sonst können wir uns gleich aus den Märkten verabschieden. Mögen die anderen besser kochen, sinnlicher leben, schöneren Fußball spielen. Wir zahlen bereits den Preis für unsere Ethik: Man hält uns für humorlos, trocken, pedantisch, not sexy. Pech gehabt, na schön, aber dann möchten wir wenigstens die Vorzüge unseres Leumunds genießen.

Qualität und Wert

Mit der Qualitätssicherung nach ISO 9000 haben wir uns schon einmal über die Kante ziehen lassen. Die Definition, was Qualität zu sein habe, wurde ganz einfach tiefer gehängt, die kann jetzt jeder. Deshalb besinnen sich die Unternehmen neuerdings auf den Begriff der Wertarbeit; zwischen ihr und der Qualität liegt das nämliche letzte Wegstück .

Qualität ist, was Sie mit dem Kunden verabreden, und wenn der Schund nach drei Jahren zerbröselt - genau dafür gibt es das Siegel nach ISO 9000: Sie haben die verabredete Qualität geliefert.

Derweil bleibt die Weltsprache im Business eine englische, das ist - trotz der Nachteile die das Englische auch aufweist - nicht mehr zu ändern. Die Sprache jedoch, in der wir denken, erfinden, entwickeln, Patente verteidigen, den Feinschliff anlegen, kann sinvollerweise nur die Muttersprache sein. Lassen wir uns beim Fundamentalen auf eine Fremdsprache ein, sind wir zweiter Klasse. Herr Schrempp, der auf Englisch gut zu Fuß ist, mag darüber hinwegsehen. Seine weniger sprachbegabten Techniker, seit Generationen gewöhnt, nur das beste für gut genug zu halten, schickt er ohne Stollen auf einen nassen Rasen. Dabei sind es gerade die Ingenieure und Naturwissenschaftler, die sich mit Fremdsprachen plagen, mit dem Schaumschlagen sowieso.

Panikmache? "It is better to cut off our hands and feets than our arms and legs!" rief ein Vorstand in der Hauptversammlung, ebenso überzeugt von seinem überlegenen Englisch wie die tüchtigen Manager, denen ich in Johannesburg dreizehn Jahre lang begegnet bin. Auf die Gefahr, dass es schmerzt, liebe Kollegen: Das ist Ihr Englisch, unser Englisch, auch wenn wir den Plural von feet noch hingekriegt hätten. Die gequälten Metaphern, die globischen Worthülsen klingen aus unseren Mäulern schlimmer als bei den Amis. Unser Englisch genügt, es ist besser als das der Italiener (Kunststück!), es genügt in der Vorrunde, gegen die besten Ausländer sind wir die allerbesten. Aber im Endspiel gegen die Muttersprachler laufen wir um wie Falschgeld.

Damit verkündete er weiteren Personalabbau - warum taktvoll, wenns auch mit der Kettensäge geht?

Deuce

Dann müssen wir den Rückstand, Grenznutzen hin oder her, eben doch aufholen? Unserer Eitelkeit mag solcher Ehrgeiz schmeicheln, lohnen wird sich der Aufwand nicht. "Es gibt Gedanken, die kann man nur auf Deutsch sagen!" meinte ein unverdächtiger Zeuge, der vormalige tschechische Ministerpräsident Vladimir Špidla, als er die Arbeitssprache Deutsch in der EU-Kommission vorzog. Wer Deutsch nicht plappert wie ein Politiker, lässt sich von seiner Sprache anregen, eine Sache genauer und noch ein Stück tiefer zu bedenken. Das ginge auch auf Englisch, kein Zweifel, ist aber mühsamer und erfordert dann eine besonders intensive Kenntnis der englischen Sprache. Meist unterbleibt die Genauigkeit von vorne herein, im globalen Sprachraum gehts auch ohne (s. Anmerkung unten!). Eben dieses sollte uns stutzig machen.

Wieso mit aller Gewalt nur den Einstand? Mit weniger Aufwand gewinnen, wie wärs damit?

Die Lösung, sie kostet weniger und bringt mehr: Sobald es an die Nähte geht, treten wir mit Profis der Sprache an, mit ausgezeichneten Übersetzern und Dolmetschern, nicht mit den billigsten! Je besser unser eigenes Englisch, desto höher wächst unser Respekt vor ihrer Leistung, welcher wir bewundernd lauschen, während wir uns, in aller Stille, das nächste Argument zurechtlegen. Das macht übrigens Präsident Putin, wenn er mit uns spricht. Er plaudert auf Deutsch, aber wenns zur Sache geht, vergibt er keinen Vorsprung, er spricht seine Muttersprache - er will gewinnen, nicht nur dabeisein!

Unsere Eitelkeit dürfen wir dabei getrost vergessen. Keiner darf von uns erwarten, dass wir die fremde Sprache so gut wie die eigene drauf hätten. Das Englische zu beherrschen, würde nämlich bedeuten: Wir führen jeden, auch den kompliziertesten Gedanken vom Anfang bis zum Ende auf Englisch. Falls Sie das fertigbringen, gilt alles hier Gesagte für Sie nicht. Nur für Ihre Kollegen und Ihre Mitarbeiter.  (ob)

 

Anmerkung des Autors: Mit Herrn Schrempp teile ich eine langjährige Erfahrung im angelsächsischen Geschäftsleben. Aber ich brauchte ein Dutzend Jahre im Lande, um mein Englisch auf das Niveau zu heben, dass ich gegen Honorar für englische Muttersprachler englische Texte verfasst habe. Die Sprachkenntnisse der Leitenden in den südafrikanischen Töchtern deutscher Konzerne sind mir vertraut.  (ob)

Nachtrag: Mittlerweile hat es Herrn Schrempp dahingeschnetzelt. Das beweist meine These zwar nicht, darf aber zu denken geben: Vordenken in der Muttersprache ist definitiv nicht zu verwechseln mit Nachdenken in einer fremden Sprache.

 

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Charliers Depesche aus Digitalien


Versuch macht kluch

Wie kommt der Webauftritt in die Suchmaschinen? Und da nicht irgendwo hin, sondern wo man ihn sieht - also unter die ersten 30 oder 40 Plätze?

Um dieser Frage nachzugehen, hat die Computerzeitschrift c't einen Großversuch gestartet. Sie erfand die Hommingberger Gepardenforelle und forderte die Webseitenbauer auf, dem raren Tier eine Webseite zu widmen - und diese ihre Seite dann mit allen Tricks und Kniffen in den Suchmaschinen nach oben zu bringen.

Die Gepardenforelle bevölkert als virtuelles Getüm das weltweite Netz

Das Echo war enorm. Professionelle Webseitenbauer und Hobby-Designer fühlten sich herausgefordert, und schon 14 Tage nach Start der Aktion meldete Google 1 Million Treffer für die Hommingberger Gepardenforelle. Inzwischen sind es anderthalb Millionen - und alle drängen auf einen der ersten 50 Plätze.

Ganz vorne mit dabei ist Kommkonzept, Michael Charlier, mit einem 21. Platz für die Suchwort-Kombination Hommingberger Gepardenforelle und mit jeweils Platz 1 Für Hommingberger Gepardenforelle Accessibility (bei 12 000 Mitbewerbern) und Hommingberger Gepardenforelle Webstandards.

Wie es gelungen ist, gegen so starke Konkurrenz so weit nach oben zu kommen, und zwar ohne illegale Tricks, die der Google durch Rausschmiss belohnt, das lesen Sie am besten selbst auf www.kommkonzept.de. Dort beobachten Sie auch den weiteren Verlauf des Versuchs, wie man nur durch Einhaltung der W3C-Standards suchmaschinengerecht codiert.   (mc)

 

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Leser, Kollegen, Wettbewerber


Beobachtungen und Verweise

Selbstgespräche vor dem Spiegel

Wer die Kaufkraft der Jugend mit englischen Sprüchen bewirbt, redet nicht mit der Jugend. Er unterhält sich mit dem Bild, das er sich von ihr macht.

Das neue Wörterbuch der Jugendsprache aus dem Hause Pons zeigt: Die Jugendsprache ist saftig, witzig wie ein Dialekt, aber schneller auf den Beinen. Hier ein paar Pröbchen:

Maulwüste steht für "einen trockenen Mund haben", Mundgulli für Mundgeruch, Partyschranke für "jemand, der nicht gerne feiert". Sehen Sie selbst, wofür einparken steht, sowie eintüten und einhandsegeln.

Wie gehts Reinhold?
Der schiebt'n Depri.

Hier finden Sie einen Auszug aus dem Wörterbuch der Jugendsprache (PDF-Datei zum Herunterladen). Übrigens spielen Anglizismen in dieser Sammlung, von den Jugendlichen selbst eingesandt, eine Nebenrolle. Überrascht uns das?

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Die Liste zum Herunterladen ->

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Tüchtig, tüchtig

Fremdwörter seien kommunikativer, funktioneller und effizienter, behaupten Linguisten.

Mein Deutschlehrer hätte das einen Schmarren genannt. Wir möchten einen Dialog führen und Wir möchten ein Gespräch führen sind nicht dasselbe. Dialog ist ein kaltes Wort, während Gespräch ein bisserl Wärme vorhält, was man so braucht für eine gedeihliche Unterhaltung. Deutlicher wird es, wenn wir statt Lass uns kommunizieren! (let's communicate!) sagen, worum es geht: Lass uns plaudern!.

Sprache in den Händen der Linguisten, das ist wie Politik in den Händen der Generäle.

Abgehoben ist das eine, zur Nähe neigt das andere. Manchmal kostet es eine Silbe mehr, aber was sollten die Finnen sagen, mit ihren langen Wörtern? Beim PISA haben sie trotzdem gewonnen. Es muss nicht jeder das Sprachgefühl für solche Feinheiten aufbringen, aber die Kunden könnten es hören. Achten Sie darauf in Ihrem Dialog-Marketing, will sagen im Gespräch mit den Kunden. Kommunikativ, funktionell und effizient ist Ihr Gespräch, wenn Sie bei den Fremdwörtern, Anglizismen, Fachbegriffen sparen.

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Befindlichkeit

Herrn Lafontaine wirft die SPD vor, er verunglimpfe unseren deutschen Hang zu Anglizismen als sprachliche Unterwerfung.

Das stimmt aber nicht, es ist Arschkriecherei. Und es würde sogar stimmen, wenn Lafontaine es behauptete. Dass die übrigen Parteien nicht begriffen haben, worum es bei der Muttersprache geht, könnte ein paar Stimmen kosten.

Sprache - ein Thema für Dumpfbacken.

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Es geht nicht ums Deutsche

Wenn schon funktionell und effizient: Sprache ist auch ein Produktionsfaktor.

Im Leitartikel der Sprachnachrichten: Der Verein Deutsche Sprache ist nicht gegen Englisch, er ist für die Muttersprache. Unsere Nachbarn sind in derselben Lage - mit ihnen gemeinsam müssen wir den Platz für Deutsch, Polnisch, Französisch, Schwedisch in den Köpfen der Menschen sichern.

Die gedruckten Sprachnachrichten, Nr. 27 / Juli 2005, bestellen Sie beim VDS oder Sie klicken auf die Abbildung.

Leitartikel in den Sprachnachrichten des Vereins Deutsche Sprache Juli 2005 mit dem Titel Es geht um die Muttersprachen

Hier geht es zum vollständigen Artikel, zum Lesen am Bildschirm
, geschrieben hat ihn Oliver Baer. Wenn das keine Schleichwerbung ist.

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Im Gedenken an den Paten der baerentatze

Spät, weil wir so unregelmäßig erscheinen, erinnern wir an Klaus Arnhold. Er starb mit 53 Jahren am 12. Mai 2005.

Als ich neu ins Netz kam, lief ich Klaus über den Weg. Er hatte vor Urzeiten bei den British Forces im Rheinland gearbeitet, also blödelten wir auf Englisch: Er besaß das komplette Repertoire, Monty Python, Douglas Adams, Dudley Moore. Wir waren uns einig, Anglizismen imponieren sowieso nur denen, die nichts merken.

Er stand Pate, als ich die baerentatze aus der Taufe hob und hat mir hinter der Bühne mehr geholfen als ich mich erinnern kann. Dass wir das Ding nicht Newsletter, sondern Rundbrief nannten, hatte einen zweiten Grund: Newsletter gabs schon damals nur in der Tonart "Guck mal, wie geil ich bin, kauf bei meinem Chef ein!"; was daran "new" sein sollte, mochte Klaus nicht einleuchten.

Dass Spottolski angeheuert wurde, war auch von Klaus Arnhold. Du brauchst nen Running Gag, sagte er.
Sein Englisch klang nach NAAFI und nach Volmerswerther Straße, halb und halb.

Ich habe Klaus nie mit dem Dudelsack erlebt, aber vielleicht hat er ihn mitgenommen, oder er bekommt einen leihweise, dort auf der virtuellen Wolke, wo wir verabredet sind. Einen schöneren Nachruf als Erwin Forner hat wohl keiner geschrieben - nee, was haben die beiden sich gestritten! Also Klaus, bis demnächst!

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Barrierefreiheit erzwingt sauberes Handwerk

Charliers Versuch gleicht dem Umgang mit Quanten. Das beobachtete Ereignis verändert sich durch die Beobachtung.

Trotzdem ist seine gute Plazierung im Google eine Sensation. Einen besseren Beweis für den Wert barrierefreien Webdesigns gibt es nicht. Hier finden Sie weitere Stellungnahmen von Experten zum barrierefreien Internet.

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Zwei Blüten

Die Wörter seien nicht das Hauptproblem, sagten wir oben irgendwo. Manche Wörter machen uns wanken.

Selbst die Pfleger der geschätzten Wikipedia schreiben Klesmer mit Z, also englisch: Klezmer. Im Original sagt man aber Klesmer mit S. Unser stimmhaftes S schreibt man im Englischen als Z. Na und? Heints heißt nicht Heinz. Wenn aber im Radio einer, der sich kundig anhört, von der Kletzmer-Musik spricht, hat er offenbar nachgeschaut und fast nur noch die englische Schreibweise gefunden. Nun redet er Blech, es stimmt weder auf Deutsch noch auf Englisch.

Von dort ist es nicht weit zu dem Fernsehmoderator, den ich kürzlich im Hotel genoss: Er beschreibt, wie eine technische Entwicklung zustandekam, liebevoll betont er Reserve Engineering, es war kein Versprecher. Der Papagei plappert, der Mensch grübelt: Was mag Reverse Engineering bedeuten, wie würde man das auf Deutsch sagen? Und dem Menschen geht ein Licht auf.

Fürs Fernsehen müsste man glatt ein Honorar berechnen. Es grenzt an Körperverletzung.

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Sprachstarkes Marketing nützt dem Ergebnis

Ausführlich wird in den Sprachnachrichten des VDS der Beitrag der Sprache am Marketing von Soli fer Solardach dargestellt. Den Nutzen fährt das Unternehmen mehrfach ein: Nach außen und im Hause selbst.

Artikel in den Sprachnachrichten des Vereins Deutsche Sprache Juli 2005

Hier finden Sie den Beitrag Mehrertrag durch Sprachkultur
zum Lesen am Bildschirm.

Die Sprachnachrichten Nr. 27 / Juli 2005, auf feinstem Zeitungspapier gedruckt, bestellen Sie beim VDS oder Sie klicken auf die Abbildung.

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Spottolski


 

Die Marktdurchdringung ist vollbracht

Spottolski hat den Markt durchdrungen. So weit das Auge reicht, ist er nun der öberste unter den Katern. Egal, wer kommt, er wird marketingmäßig verarztet, d.h. er sucht das Weite und darf sich einen eigenen Markt erschließen, Hauptsache anderswo. Wir fanden den Meister aller Marketingklassen auf der Fensterbank, ein Auge zu, eines auf den Napf gerichtet und eines auf den Markt, falls sich was tut.

baerentatze:   The Eagle has landed, Sie sind im Markt der Erste!

Spottolski:   Wieso Igel?

Das sagt man so.

Aber nicht hier.

Das ist eine Redensart, Sie haben Ihr Ziel erreicht.

Igel?

Das ist eine Metapher für: Wir habens geschafft.

Sie auch?

Wieso ich?

Sie hättens geschafft, sagen Sie. Am besten, Sie fangen von vorn an.

Na gut. Die Spatzen pfeifen es vom Dach, Sie sind im Markt ...

... Was haben Sie mit den Spatzen?

Also gut: Sie sind der Erste.

Sag ich doch. Entweder man ist oben oder man redet darüber.

Ein echter Spottolski, zum Zitieren

Bis auf die Spatzen.

Never mind. Würden Sie uns Ihr Kerngeschäft erörtern?

Mein Kerngeschäft? Ich durchdringe Marktlücken, mit Näwwameind.

Wie das: Sie schließen die Marktlücke mit einem überlegenen Produkt?

Ich werd mich hüten.

Sondern?

Sondern was?

Was tun Sie im Markt, was ist Ihr Produkt?

Das USP.

Ihr Produkt ist ein "Einzigartiges Verkaufsmerkmal", USP. Und wie sieht das aus?

Wie alle anderen. Sobald sich einer in die Marktlücke traut, huste ich, Herrchen macht das Fenster auf, ich raus, schon isserweg.

Wer?

Der meiner Marktlücke an die Wäsche wollte.

Und dann?

Dann kommt der Näwwameind. Oder der Igel.

Kein Brand Recall bei den Miezen?

Wozu? Man kennt mich, man liebt mich, man schaut, dass man davonkommt. Das ist Marketing.

Erzählen Sie uns noch das Geheimnis Ihres Erfolges.

Mein Erfolg ist mein Produkt. Das sage ich in aller Bescheidenheit.

Und das Produkt ist das USP, das USP ist der Erfolg und der Erfolg ist das Produkt?

So ist es, eine runde Sache.

Toll, und das funktioniert?

Nein.

Und was ist mit Ihrem Erfolg?

Wieso Erfolg? Ich bin der Größte.

Und das genügt?

Wer sagt das?

 

Das Interview führte der Chef. Nach Diktat verreist.   (ob mit sp)

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Gegen den Strich gekämmt


 

Spam is de#str/yng t_e Engelish lang**ge

Während Bush und Blair am Leumund der USA und Großbritanniens arbeiten, unterlaufen die Spammer alle ihre Bemühungen.

Sie versauen die englische Sprache, um Spamfilter zu überlisten und sie sorgen dafür, dass alle Welt Englisch mit Spam gleichsetzt. Was unsere Postfächer verstopft, kommt fast nur auf Englisch daher, in der Sprache des Landes, dem wir das Internet verdanken, das aber gegen Spam nichts unternimmt. Über die Nebenwirkung befragen Sie jemand aus Cambridge. Das Englische, so wie es gebaut ist, bedarf nämlich besonderer Sorgfalt bei der Rechtschreibung, sonst ist die Sprache nur noch als Pidgin zu gebrauchen.  (ob)

 

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Das war's für heute!

 

baerentatze

Impressum

Deutsche Bibliothek : ISSN 1619-7909 (Web-Ausgabe)
Jahrgang/Ausgabe/Datum : 7 / 2 / 26.7.2005
Frequenz / Preis : ziemlich unregelmäßig / gratis
Herausgeber : Dipl.-Ing. Oliver Baer
Inhalt Website : www.baerentatze.de/files/sitemap.htm
Impressum nach $6 TDG : www.baerentatze.de/files/impress.htm

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